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Hier findet Ihr ein paar Gedanken zu Themen die mich doch immer wieder beschäftigen.

 

27.09.2018 

 

Kinderarbeit, anreiten mit 3 oder warum es sich doch lohnt zu warten... 

Immer wieder erreichen mich E-mails oder Anrufe. Das Pferd ist jetzt drei und soll dringendlich in die Grundschule. Besser heute als morgen und wie lange dauert dann das überhaupt? 
Wenn ich dann nachfrage, warum das Pferd jetzt schon angeritten werden soll, kommen die abenteuerlichsten Antworten. 
- es ist körperlich schon so weit, es sieht gar nicht aus wie 3 
- ihm ist auf der Koppel so langweilig und muss jetzt was lernen. 
- die werden doch je älter sie sind, recht dominant und bekommen einen stärkeren Willen, dem möchte man rechtzeitig entgegenwirken. Zudem werden sie körperlich auch kräftiger und sind dann nicht mehr so einfach zu händeln. 
- andere Trainer machen das doch auch so, das Pferd meiner Freundin ist auch fast 3 und schon bei XY in Profiberitt 
- als Besitzer möchte man nicht länger warten und endlich ein Reitpferd draus machen. Gelaufen und gewartet hat man jetzt lange genug.

Zum Teil kommen diese Anfragen wirklich von Menschen die schon zig Jahre Pferde haben. Dabei sollte doch mittlerweile bekannt sein, dass dreijährige Pferde körperlich noch nicht in der Lage sind, wirklich angeritten zu werden. Die Wachstumsfugen sind noch nicht geschlossen. Zu hohe Belastung kann hier langzeitlich zu erheblichen, irreparablen Schäden führen. 

„Ein Jahr länger Fohlen – zehn Jahre länger Pferd.“ (J.Arp), sagt eigentlich schon alles aus.

Auch Kopfmäßig sind so junge Pferde oft noch gar nicht in der Lage, über einen längeren Zeitraum konzentriert zu arbeiten. Werden Pferde so früh überfordert, bekommt man definitiv keinen motivierten und leistungsbereiten Partner, eher im Gegenteil. 

Ich möchte hier niemanden angreifen, der sich zum üben, hin und wieder mal kurz draufsetzt. Hier geht es wirklich ums anreiten und ums dauerhafte Weiterreiten. 

Zum Thema Langeweile auf der Koppel, kann ich nur immer wieder betonen. Angepasste Bodenarbeit, Spazierengehen und Anti-Schreck-Training. Immer wieder mal ein bisschen und kurze Einheiten. Schon tut der Nachwuchs etwas Sinnvolles und von Langeweile keine Spur. 

„Es ist jetzt schon sehr dominant und charakterstark, dem wollen wir frühzeitig entgegenwirken…“ das liest sich für mich jetzt so, als wäre hier in der Jungpferdeerziehung schon einiges schief gelaufen. Wer bisher im Jungpferdealter liebevoll & konsequent erzogen hat, der hat auch, wenn die Pferde älter werden kein Problem damit. Willens- und Charakterstärke und das Durchsetzen der eigenen Meinung, kommt nicht ganz plötzlich von heute auf morgen. Angepasstes Jungpferdetraining mit dem Focus auf Respekt und Vertrauen. 

„Trainer XY nimmt Pferde auch schon früher in Beritt“ ... da gibt’s für mich immer nicht viel dazu zu sagen. 
Kurz und knapp. Das darf er gerne machen. Wir nehmen keine Pferde unter 4 Jahren zum anreiten. 

Tja und zur Ungeduld des Besitzers gibt es nicht viel zu sagen. Diese Aussage spricht für sich. 

Gerne darf das Pferd zur Grundschule oder Vorschule kommen. Wir helfen auch Alltagsprobleme mit dem Nachwuchs zu lösen und mit ihm eine optimale Basis für sein Leben als Freizeitpartner aufzubauen. Es gibt jede Menge Sinnvolles womit ein Pferd, seinem Alter entsprechend gefördert werden kann. Aber Pferde zum Beritt, die jünger sind als 4, nehmen wir nicht an. 

Natürlich gehen uns hier Aufträge verloren. Nach dem Motto „Kinderarbeit – Nein Danke“, denken wir hier aber wie immer Pro-Pferd und verzichten darauf. 

Cindy

www.cs-pferdetraining.com

P. S. Heute mal kritischer als sonst ��

**darf gerne geteilt werden ** 

 

 

 

10.07.2018

 

Eri` und die Trense (2.)

Besser spät als nie, hier mal die Fortsetzung zu Eri´s Training mit Trense. Mittlerweile sind wir schon einen Schritt weiter – es bleibt spannend. 

Nachdem Eri` gelernt hat, das man auch mit der Trense Kekse essen kann, bin ich hoch motiviert zu den Abkauübungen von Philippe Karl übergegangen. Sie helfen den Pferden so unwahrscheinlich gut, ich kann mir kein besseres erklären für dieses Thema vorstellen. Also, zumindest ICH war motiviert. 

Das Pferd soll hier lernen, mit der Trense zu entspannen und abzukauen und sich vertrauensvoll ans Gebiss zu dehnen. Im Stand mit geradem Hals, im Stand mit gebogenen Hals und während der Handarbeit beim laufen usw., usw., bis das ganze schließlich vom Sattel aus wiederholt wird. . 

Soweit der Plan. Eri´ hat gekaut und gekaut und gekaut und gekaut. Sie hat überhaupt nicht mehr aufgehört. Von entspanntem Abkauen, konnte hier keine Rede sein. Naja, also so ein unruhiges Maul, wollte ich dann ja auch nicht. 

Also Plan B: Wir reiten jetzt einfach gleich aber vierzügelig mit Knotenhalfter und Trense. 
In der Légerté wird z.B. mit Kandare und Unterlegtrense vierzügelig geritten. Hier besteht anders als bei vielen anderen Reitweise, die Möglichkeit Trense und Kandare getrennt voneinander gezielt zu nutzen. Die Zügel werden in der Hand getrennt voneinander aufgenommen. Ich häng ein Bild dazu mit an. Und genauso habe ich das Halfter und die Schenkeltrense genutzt. So hab ich zuerst die Hilfe über das Halfter gegeben und dann ganz fein, die Trense dazu genommen. So konnte Eri´ die Hilfen ziemlich schnell verstehen aber mein hektisches Kauproblem gab es dann leider immer noch. 

Also Plan C, wir gehen jetzt dann doch einfach ausreiten. Hier hat sie doch mehr zu gucken und zu achten als auf dem Platz, was sie vielleicht von dem ungewohnten Ding im Mund ablenkt. Und was soll ich sagen, der Plan ist 1a aufgegangen. Das Maul war ruhiger und entspannter als auf dem Reitplatz und ich konnte leichte Hilfen mit einbauen. 

Mir wurde mal wieder sehr deutlich bewusst, wie individuell Pferde etwas erklärt bekommen möchten, man muss ihnen nur genau zuhören. 

Also verfolgen wir erstmal Plan C, vierzügelig ins Gelände und von den gewünschten Abkauübungen nehmen wir zumindest im Moment mal Abstand. 
Fortsetzung folgt. 

LG Cindy & Eri´

Es gibt immer mehrere Wege um Pferden etwas zu erklären, holt Euch bei Bedarf Hilfe und Ideen dazu. 

 

 

 

13.06.2018 

Eri´ und die Trense (1.) 

Eri´ wurde jetzt im Mai 6 Jahre alt. Bisher habe ich sie ausschließlich gebisslos trainiert. Sie läuft mit so ziemlich allem super gut. Egal ob mit Bosal, Sidepull, Knotenhalfter, Stallhalfter oder, oder oder. Ich habe mich nicht mal bewusst dafür entschieden, sie gebisslos auszubilden, es hat sich einfach so ergeben und hat für uns gepasst. 

Das einzige um was ich bisher einen riesen Bogen gemacht habe, ist die Trense. Schon seit Ewigkeiten drück ich mich drum herum und habe die besten Ausreden, warum wir damit noch nicht gearbeitet haben. 

Eigentlich bräuchten wir sie ja gar nicht, da könnte ich sie doch auch draußen lassen. Aber eigentlich möchte ich ihr schon so viel möglich zeigen und erklären. 

Den Vorteil an der Trense sehe ich in den Abkauübungen von P.K. In jeder Situation fragen könne ob sie abkauen kann. Gerade für Eri´ dich sich öfter mal im Hals fest macht, bei für sie schwierigeren Übungen, sehe ich da eine Chance für uns. Gezielt ihr eine Möglichkeit geben sich zu lockern. 

Bei meinen anderen Pferden habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Auftrensen erklärt und geübt, Abkauübungen, Arbeit an der Hand, Abkauübungen vom Sattel aus und dann damit reiten. Noch nie ein Problem und bei Eri´ mach ich mir so einen riesen Kopf, der wahrscheinlich total unnötig ist. 

Nach dem Motto: Wer immer tut was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist (Henry Ford), hab ich mir Abends schon, voll motiviert die Trense passend hingehängt. Damit sie mir früh gleich passend ins Auge sticht und ich nicht wieder vor mir selber Ausreden erfinden muss. Auftrensen erklären war kein Problem. Eri´ trägt ja alles was sie so findet durch die Gegend. 

Allerdings konnte sie keinen Keks mit der Trense nehmen. 
„Hä??? Cindy??? Halloooooo??? Wie soll das gehen, ich kann damit nichts essen!!!!“ Das Maul blieb einfach offen. Ich musste ja fast lachen. Berta hat sich gefreut und jeden Keks den Eri´ hat fallen lassen, hat sie vorsorglich aufgeräumt 

Nach ein paar Mal, Trense rein, Kekse essen, Trense raus, 
war es dann für den Tag auch okay damit. Ausreiten sind wir dann mit unserem Sabro-Sidepull gegangen. Mein komisches Gefühl einen Bogen drum zu machen, ist zumindest im Moment weg.

Es bleibt auf jeden Fall spannend  - Fortsetzung folgt

Wie habt ihr mit der Trense angefangen? Habt ihr euch keine Gedanken gemacht und einfach probiert? 

Cindy

P.S. Gebt mir kurz Feedback, ob Euch so etwas überhaupt interessiert.

 

 

 

 

27.04.2018

Gute Kollegen machen die Arbeit schöner und mit sehr guten, ist die Arbeit das reinste Vergnügen. 

Ich liebe Apanatschi ja wirklich sehr. Sie ist mein ein & alles. Meine beste Freundin, ein toller Lehrmeister und bei der Arbeit mit den Berittpferden meine liebste Kollegin und meine größte Hilfe. 

Wie hilft sie mir?
Apanatschi geht mit den Berittpferden auf die Koppel, wenn kein anderes Pferd da ist. Ich kann sie problemlos mit fremden Pferden zusammenstellen. Sie kümmert sich super um die Pferde. Sind diese frech und fordernd, weist Apanatschi sie souverän in ihre Schranken. Sind sie unsicher, zeigt sie ihnen die Welt. Interessieren sie sich nicht für sie, geht sie ihre eigenen Wege. Ich bin immer fasziniert davon, wie gut sie auf die anderen Pferde eingeht. So wie es passt, darf Eri´ auch dazu, um von Apanatschi zu lernen. 
Wenn ich an die Koppel komme, um die Pferde abzuholen kommt Apanatschi mir immer entgegen. Kommt das andere Pferd nicht mit, merke ich, wie sie versucht es zu animieren mitzukommen. Spätestens nach ein paar Tagen, kommen mir dann zwei Pferde entgegen. 
Haben wir Pferde die sich nicht abholen lassen, die sich vielleicht versuchen hinter Apanatschi zu verstecken, dann hüpft sie nicht herum. Sie bleibt dann stehen wie ein Baum. So hilft sie mir, dass das andere Pferd nicht noch mehr in Bewegung kommt. 

Habe ich ein Pferd auf der Koppel oder auf dem Platz, das mir gegenüber nicht sehr freundlich ist, dann arbeite ich von Apanatschi aus. Sie hilft mir bei der Kommunikation und auf ihr bin ich dann mehr als gut aufgehoben. Die Pferde schließen sich schneller an, als wenn ich alleine mit ihnen arbeite. 

Gehen wir mit den Gastpferden als Handpferd oder Reitpferd ins Gelände, ist sie das ideale Führpferd. Sie hat vor nichts Angst und macht einen souveränen Job. Versucht das Handpferd zu drängeln, verweist sie es selbstständig auf seinen Platz.
Sie hilft mir Unsicherheiten beim Handpferd zu entspannen und lässt sich auch nicht anstacheln. Sie ist da ganz in ihrem Job. (Reiten wir in der Gruppe aus und sie hat in ihren Augen keinen Job - lässt sie sich nur zu gerne anstacheln, das verrückte Huhn :-I)

Gestern musste ich absteigen um den Handpferd etwas zu erklären. Apanatschi steht dann geduldig am Wegrand und wartet bis es wieder weitergeht. Es macht die Arbeit einfacher, wenn man so einen tollen verlässlichen Partner hat und sich dann nur auf ein Pferd konzentrieren muss. 

Und das Wichtigste an der ganzen Sache. Apanatschi macht das ganze einen riesen Spaß. Sie liebt diesen Job und wächst regelrecht über sich hinaus. Sie ist bei der Arbeit so selbstsicher und selbstbewusst, das es mir eine große Freude ist, sie dabei zu beobachten und dabei zu bestärken. Eine große Hilfe in unserem tollen Team 

Wenn die Arbeit ein Vergnügen ist, wird das Leben zur Freude. 
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende. 

Foto: Apanatschi & ihre Freundin Josy nach einem entspannten Ausritt

 

 

 

 

27.02.2018 

Remember why you started - oder haben wir uns längst verfahren?

Ich bin mit Eri´ entspannt im Gelände unterwegs. Die Sonne geht auf, es ist ein bisschen kalt und unten im Tal sieht man den Nebel wabern. Ein Gefühl das wahrscheinlich so ziemlich jeder Reiter kennt, einfach unbeschreiblich. 
In Gedanken suche ich nach Lösungen wie ich Eri´ die Platzarbeit etwas schmackhafter machen könnte. Es macht ihr einfach nicht so viel Spaß wie wahrscheinlich Apanatschi. Im Gelände ist sie einfach traumhaft. Sie läuft in wunderschöner Haltung, ohne dass ich viel dazu sagen muss, wir können tolle Sachen zusammen erarbeiten, sie hat Spaß und ist wahnsinnig motiviert. Es fühlt sich toll an. Eigentlich wollte ich mit ihr genauso wie mit Apanatschi viel Freiarbeit machen, auf Vorführungen gehen usw. usw. .- vielleicht hätte ich das Eri´ auch mal sagen sollen?

Ohne Werbung, ohne Vorführungen, ohne tolle Videos und Fotos keine neuen Schüler, Beritt- oder Korrekturpferde. Jeder will ja etwas ganz tolles sehen und klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Nur das ich mich damit nicht so ganz identifizieren kann.

Und der nächste Gedanke war, vielleicht waren wir früher ohne Facebook, Dauerbeobachtung, und den vielen Eifer glücklicher. Mmh…

Als ich mich am Abend mit meinem Mann darüber unterhalten habe, meinte er “Wo ist denn bitte dein Problem mit dem Pferd? Das ist doch das was 99% der Freizeitreiter wollen. Entspannt ausreiten und währenddessen noch etwas erarbeiten! Es haben nicht alle einen Platz und optimale Bedingungen!“ „Und Du willst doch den Leuten helfen, das sie mit ihren Pferden zurechtkommen und nicht von einer Vorführung zur Nächsten zu tingeln.“ Das saß erstmal.

Nach ein bisschen sacken lassen ist mir eine Postkarte mit dem Spruch „Remember why you started!“ in den Kopf gekommen. 
Und ganz eigentlich hat mein Mann Recht. Vielleicht haben wir uns ein bisschen verfahren?
Jedes Foto und jedes Video genau zu analysieren. Kann man das hochladen? Ist der Schweif schön? Sitze ich korrekt? Sind die Hanken gebeugt? Ist im Hintergrund ein Misthaufen oder Pferdeäpfel? Wir müssen üben, für die Fortbildung oder für die Vorführung. 
Das ist irgendwie nicht der Weg zum Ziel. Eigentlich will ich unsere gemeinsame Arbeit zeigen oder manchmal einfach nur einen schönen Moment teilen, auch wenn er nicht perfekt ist.

Ich habe angefangen mit Pferden und Menschen zu arbeiten um ihnen zu helfen. Um aus ihnen ein besseres Team eine Einheit zu machen. Die Freude am Umgang miteinander zu vermitteln. Der Dolmetscher für Menschen und Pferde sein. Pferden mit Menschenproblemen helfen und umgekehrt und nicht um mich ins Rampenlicht zu rücken. Das ist nicht mein Stil.

Bei diesem Job wird man bestimmt nicht reich und gefährlich ist er manchmal auch, mehr als einem gut tut. Aber wir wissen genau, warum wir es machen. Wenn die Besitzer strahlend erzählen, dass sie entspannt ausreiten oder verladen konnten oder das Pferd sich führen lässt oder Fliegenspray jetzt kein Thema mehr ist. Oder ihr Pferd ihnen jetzt so weit vertraut, dass es sich in ihrer Nähe einen Wälzplatz sucht und vielleicht sogar noch im Liegen einen Keks nimmt. Wenn einen begeisterte Bilder, Videos oder Anrufe erreichen, dann weiß man genau, wofür man etwas macht.
Für eine vertrauensvolle Partnerschaft für Pferd & Reiter. Miteinander – Füreinander!

Wir wollen die Freude am gemeinsamen vermitteln und uns nicht mit 48 Videos im Jahr profilieren Als Trainer will ich helfen, unterstützen, motivieren und sensibel auf Mensch und Pferd eingehen, sie einen Schritt in die richtige Richtung bringen und nicht beweisen, was für ein toller Hecht ich bin.

Wir möchten Spaß mit unseren Pferden haben. Lange und vor allem gesund mit ihnen zusammen sein und viele tolle Momente genießen. 
Und dann ist es letztendlich auch egal, ob die Stellung am Halsring ganz korrekt, die Piaffe ausdrucksstark oder die Freiarbeit genau auf den Takt der Musik ist oder ob Eri´ gerade lieber im Gelände als auf dem Platz übt.

Die gemeinsame Zeit ist zu wertvoll.

Remember why YOU started....

Cindy

www.cs-pferdetraining.com

- Echte Weltverbesserer kehren mindestens einmal wöchentlich, vor der eigenen Tür – 
Werner Mitsch

***darf gerne geteilt werden***

 

 

 

26.01.2018

Vorwärts, rückwärts, seitwärts oder was üben wir heute

 

Was soll ich bzw. wir heute üben – die Frage stelle ich mir meistens bevor ich mit meinen Pferden

anfange.  Ein Plan ist zur Zielerreichung unerlässlich stand jetzt in einer Pferdezeitschrift,

eigentlich genau mein Ding. Einen Plan haben und danach arbeiten.

 

Mit Eri´ könnte ich am vorwärts arbeiten.  Impulsion  am Schenkel oder doch lieber an den Übergängen oder wir könnten mal wieder frei arbeiten oder wir könnten über Stangen zirkeln und am Galopp üben. Irgendwie haben wir zu viel Auswahlmöglichkeiten ;-)

 

Die Antwort ergibt sich dann aber meistens von selbst. Schon während dem aufwärmen am Boden oder kurz nach dem aufsteigen merke ich wohin heute in etwa die Reise geht.

 

Habe ich mir vorgenommen ein bisschen an den Seitengängen zu arbeiten um Eri´ etwas besser zu lösen, stolpern wir schon über die Impulsion am Schenkel. Okay, wenn wir nicht wirklich flüssig vorwärts gehen können, brauchen wir an seitwärts nicht zu denken, da geht uns ja während dem Seitengang der Sprit aus.  Also, dann doch erstmal wieder ein bisschen vorwärts denken. Zuerst gerade, dann auf großen geschwungenen Bögen und schon stolpern wir über das nächste Problem usw. usw.

Hab ich mir am Anfang unseres Trainings etwas vorgenommen, so bestimmt Eri´ was jetzt tatsächlich das Thema der Einheit wird.

 

Am Anfang jeder Einheit steht bei mir die Entspannung. Ist Entspannung nicht gegeben, dann arbeiten wir zuerst daran und dann sehen wir weiter.  Ob das am Boden oder vom Sattel aus ist, kommt ganz auf das Pferd an.

 

Da ich zugegebenermaßen ein nicht so eifriger Warmreiter bin, wärmen wir meistens am Boden mit Seil oder ganz frei auf. Manchmal komm ich dann gar nicht zum Aufsteigen, weil ich mich schon am Boden so verzettel oder wir so einen Spaß haben, das der ganze Plan schon wieder über den Haufen geworfen wird und uns was anderes tolles einfällt.

 

Oft kommt mir der Gedanke, dass so ein Plan ganz schön wäre um gezielter vorwärts zu kommen aber wie viele tolle Momente würden mir dadurch entgehen?

Frei nach unserem Motto:

Jedes Pferd gibt seinen Ausbildungsweg vor. Wir müssen nur genau hinfühlen, hinschauen und hinhören.

 

Aber es ist wie immer, die Mischung machts. Ein Ziel und einen Plan haben und dabei gemeinsam Spaß haben, voneinander lernen und aufeinander achten.

 

Dann ist es auch egal ob es heute vorwärts, rückwärts oder seitwärts oder einfach nur zum grasen geht.

 

Cindy

 

Der Weg ist das Ziel aber Umwege führen uns zu den schönsten Abenteuern.

www.cs-pferdetraining.com

 

***darf gerne geteilt werden***

 

 

 

 

03.12.2017

 

Wenn die Basis stimmt…. oder Wenn nicht alles ganz falsch gelaufen ist...

 

Ich habe mich ertappt, die Überschrift benutze ich im Unterricht oder im Gespräch ganz schon oft.

Wenn die Basis stimmt.

 

Oft werde ich darauf angesprochen, dass auf meiner Homepage/Flyern/Texten/Blogeinträgen immer wieder etwas von Basisarbeit und Grundausbildung steht und ob ich nicht mehr mache? 
„Bis zu welcher Dressurklasse bilden Sie aus? Kann das Pferd dann auch Reining gehen oder kann es ans Rind?“ „Machst Du nur Basisausbildung?“ oder noch besser „Wie? Du bietest nur eine Grundausbildung an?“

 

Was heißt denn bitte „nur“?

"Der Start eines jungen Pferdes ist nicht einfach etwas, er ist einfach ALLES!" - Pat Parelli

Und genauso sehe ich das mit der Grund- bzw. Basisausbildung. 
Sie ist einfach ALLES.


Wenn die Basis stimmt, ist alles möglich und wenn nicht alles ganz falsch gelaufen ist, auch  Egal in welcher Reitweise ich unterwegs bin, egal was ich am Boden erarbeiten möchte, egal welche Zäumung ich ausprobieren oder weglassen mag, egal in welchem Anhänger ich wohin fahren will oder ob ich gemütlich ausreiten will. Stimmt die Basis ist alles kein oder zumindest kein großes Problem.

 

Eri´ hatte jetzt, aufgrund der letzten Tage der Schwangerschaft und Wochenbett, fast acht Wochen Pause. Mehr als ein bisschen spazieren gehen im Schneckentempo, war bisher mit Baby im Tragetuch nicht drin. Natürlich hätte ich auch auf dem Platz etwas am Boden machen können aber der Hund möchte ja auch bewegt werden.

 

Heute bei dem schönen Schnee wurde die Gelegenheit genutzt und nichts wie raus.

Eri´ war 1A mit Sternchen. Der Wind, der Schnee und der lustige Hund haben sie nicht gestört. 
Sehr entspannt sind wir eine Runde im Schneegestöber unterwegs gewesen und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich saß erst gestern drauf. Die lange Pause war ihr nicht anzumerken. Sie war vielleicht nicht ganz so locker wie sonst aber sie war so entspannt, klar und ansprechbar – ich war sehr dankbar.

 

Sehr glücklich ist mir beim nach Hause reiten wieder in den Kopf gekommen,
„Wenn die Basis stimmt….“

 

Cindy

www.cs-pferdetraining.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

27.09.2017

 

Aber ich will – über psychische Gewalt in der Pferdeausbildung oder warum Freundschaft einfach vorgeht

 

Lange hab ich gehadert, ob ich so einen Artikel schreiben will. Wer mich und meine Arbeitsweise kennt, weiß wie sehr mir viel Druck usw. widerstrebt und eigentlich sollte man meinen, dass es bei Menschen, die mit mir zusammenarbeiten genauso ist. Leider muss ich es immer wieder lernen und erkennen: Fehlanzeige

 

„Aber ich will das jetzt“ – ich weiß nicht wie oft ich diesen Satz höre. 
Ein Beispiel:
Das Pony soll steigen lernen. Okay, ich sehe jetzt daran nichts Verwerfliches. Wir arbeiten schon ein paar Jahre zusammen, das Pony kennt alle Hilfen, ist ein nettes Pferd, dem diese Lektion gut tun würde und dadurch wahrscheinlich ein bisschen mehr Selbstvertrauen bekommt. Gesagt, getan.

 

Alle vorbereitenden Übungen sitzen aber das Pony hebt die Beine keinen mm vom Boden.
Geduldig erkläre ich, dass so etwas Zeit braucht. Er muss sich diese für ihn, drohende Gebärde auch erstmal trauen und das kann dauern. Bestätigt man hier die geringsten Versuche, wird es mit der Zeit mutiger werden. Wir arbeiten in der Mitte vom Reitplatz, genug Platz um uns herum, damit das Pferd in jegliche Richtung ausweichen kann und wir das korrigieren können ohne zu viel Druck zu machen.

 

Zwei Wochen später, sehe ich das Paar wieder. Ich frage nach Fortschritten und bekomme begeistert erzählt, es steigt aber ein bisschen anders, wie wir vorab geübt haben aber egal es steigt. Okay es gibt viele Lösungswege, manchmal entwickelt sich ein ganz eigener Weg, ich bin gespannt.

 

Also es wurde zu Dritt geübt. Einer steht mit zwei Stöckchen vor dem Pony und touchiert beide Schultern, einer steht neben dem Pony und hebt es mit dem Vorderbein an und der Dritte steht auf der anderen Seite und hat die Zügel am Knotenhalfter befestigt, um am Halfter eine Aufwärtsparade zu geben. Zu guter Letzt, steht der Ponymann mit dem Popo am Zaun, damit er nicht ausweichen kann. Schon alleine bei der Beschreibung der Vorgehensweise schnürt sich mir der Hals zu und ich bekomme Herzklopfen. Nichtsdestotrotz bin ich gewillt, bevor ich meine Meinung kundtue, mir das anzuschauen. Vielleicht steckt das Pony die Übung besser weg als gedacht. Leider ist dem nicht so, er schaut gestresst und versucht immer wieder auszuweichen.

 

Nachdem ich mich weigere so mit dem Pferd zu arbeiten oder hier auch nur unterstützend zu helfen, wird die Stunde abgebrochen. Ich versuche zu erklären. 
Zwei Gerten an den Schultern bringen ihn dazu die Schultern enger zu machen, nicht gerade förderlich, wenn man versucht sich auf der Hinterhand auszubalancieren. 
Mit der Aufwärtsparade am Halfter, bringt man ihn nur dazu, den Hals hoch zu strecken. Keine gute Voraussetzung für korrektes steigen oder setzen.
Der Mensch am Fuß, macht mir hier die wenigsten Sorgen. Wobei ich persönlich Sorge hätte, dass das Pony sich zu sehr abstützt.
Der letzte Punkt. 1,10m Pony mit dem Popo an der Bande und um ihn herum 3 erwachsene Menschen, einer zieht, einer hebt, einer touchiert – keine Möglichkeit auszuweichen. Die einzigen Sachen, die es hier wirklich lernen kann ist, ich hab keine Chance oder ich mach mir Platz. Ein Pferd für eine neue Übung so einzuparken und zu stressen, in meinen Augen zu bedrängen, grenzt für mich fast an psychische Gewalt oder wie würde es uns in der Situation wohl gehen? Nicht zu erwähnen, dass die Lektion mit einer bekannten Horsemenship-Trainerin geübt wurde. Gerade von jemand, der ähnliche Trainingsansätze hat, hätte ich anderes erwartet.

 

Ich habe versucht meinen Standpunkt zu erklären, bin aber gegen eine „Aber ich will“-Mauer gestoßen.

 
Wir haben das Training abgebrochen, nachdem ich meine Vorstellungen, Prioritäten und Prinzipien für keine Lektion über den Haufen werfe.

 

Liegt das am Erklären, hätte man die eigene Vorgehensweise, das eigene Verständnis für eine Sache besser verständlich machen müssen oder liegt das schlicht und einfach am falschen Ehrgeiz?

 

Keine Lektion ist es für mich wert, die Freundschaft, das Vertrauen und die Partnerschaft zu meinem Pferd aufs Spiel zu setzen. Keine!!

 

Vielleicht sollte man solche Prinzipien mal ganz gezielt vor die „Aber ich will“-Mauer setzen.

 

Cindy

www.cs-pferdetraining.com

Das Vertrauen zueinander, braucht die Achtung voreinander – Ernst Ferstl.

 

21.07.2017

Ein Kraftprotz ohne Hirn oder warum zirkeln doch sinnvoll ist

 

In vielen konventionellen Ställen sieht und hört man es immer wieder. „häng den erst nochmal an die Longe, dann ist er beim Reiten ruhiger“ oder „hast du den schon ablongiert“ – „die jungen Pferde lassen wir immer erst ein bisschen rennen, damit die einfacher zu Händeln sind“ – „ach, wenn der mal gerannt ist, macht der beim Reiten keinen Mucks“


So ein bisschen ans Seil hängen und laufen lassen, wenn man grad nicht so viel Zeit oder zum auspowern vorm reiten ist ja eigentlich ganz schön praktisch. Oder? Schließlich ist es dann entspannter und ruhiger und kann sich besser konzentrieren. Da haben wir es dann ein bisschen einfacher oder nicht?

 

Richtig longieren ist sinnvoll, keine Frage aber so ein stumpfes ablaufen lassen oder zentrifugieren ist völlig sinnfrei.

Ein Pferd lernt, was es tut!

 

Wenn ich mein Pferd zum Ablaufen ans Seil hänge, schaff ich mir nur eins - einen Kraftprotz ohne Hirn, mit Muskeln an der falschen Stelle. Wenn es heute fünfzehn Minuten braucht um sich auszubocken und auszurennen, wird es nächste Woche zwanzig, irgendwann dreißig und ganz irgendwann reicht einem die Zeit nur noch zum Ablaufen bzw. rennen lassen.

 

Übergänge, Biegung und Dehnung, Aufrichtung, Seitengänge, Stangenarbeit – alles lässt sich beim Zirkeln erarbeiten und üben. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Überschüssige Energie wird man hier dann noch sinnvoll los und zum Aufwärmen und für den Muskelaufbau ist es 1 A.

Das erfordert dann aber vor allem eins. Konzentration, Konsequenz und Sorgfalt vom Menschen. Wenn ich nur ablaufen lasse, hab ich Zeit um zu telefonieren, mich mit dem anderen Reiter in der Halle zu unterhalten und meinen Gedanken nachzuhängen. Ich muss ja nur in der Mitte stehen bleiben, die Longe festhalten und im Zweifelsfall das Pferd am Laufen halten.

 

Auch beim freien laufen lassen, kann ich alle Hilfen, die ich zusammen mit meinem Pferd erarbeitet habe abrufen, einbauen, vertiefen. Das ist dann eine gute Grundlage für die Freiarbeit. Oder warum soll mein Pferd bei der Freiarbeit bei mir bleiben, wenn ich es regelmäßig zum Ablaufen lassen in der Halle oder auf dem Platz wegscheuche?

 

Beim sinnvollen zirkeln brauche ich meine ganze Aufmerksamkeit beim Pferd. Und das ist ja auch nur mehr als fair. Schließlich soll es auf jeden Mucks und jede Veränderung von uns sofort und wenn möglich richtig reagieren.


Das heißt dann wohl, gleiches Recht für alle. Will ich Aufmerksamkeit muss ich selbst auch aufmerksam sein.

 

Nutzt die wenige Zeit, die wir oft für unser Pferd haben sinnvoll und schenkt ihm die Aufmerksamkeit, die ihr selbst gerne von ihm möchtet – Gleiches Recht für alle

 

Cindy

 

 

Einem Ziel kann man auch durch Umwege näher kommen. Ernst Ferstl

 

 

19.06.2017

Angsthasen beim Ausritt oder Walk and Ride?

Es ist so schön, mit seinem Pferd die Natur zu erkunden. Die Seele baumeln lassen und die schönen Pfade der Umgebung zu genießen. Weit weg vom Alltag und ohne mir Gedanken um die Welt machen zu müssen. Na, ja also es ist schön, wenn es denn funktioniert. Denn ganz gemeine, überdimensionale Monster säumen den Weg und machen unseren entspannten Ausritt mit unserem Pferd zu einem wahren Spießrutenlauf.

Von laufenden, mähenden Heuballen über angriffslustige Löwenzahntiger hinter gemeinen Holzstapeln, hinterlistige Findlinge am Wegesrand, Raubfischen in Tiefseetaucherpfützen, Stockenten, Höhlen in luftiger Höhe für
Wildtierschießende stumme Menschen, bis hin zu komischen Gerüchen die die Sinne vernebeln und die Pferde in Angst und Schrecken versetzen. Tja so ein Ausritt kann für unsere vierbeinigen Lieblinge schon fast lebensbedrohlich sein 

Aber was tun, wenn das Pferd befindet, dass es nicht weitergehen kann oder am liebsten umdrehen und mit fliegenden Fahnen zum heimatlichen Stall rennen will? Fragt man in diversen Pferdegruppen bei Facebook nach, sticht eine Antwort eindeutig vor. „auf keinen Fall darfst du absteigen, sonst lernt dein Pferd, dass du leicht zu beeindrucken bist und wird das immer wieder ausnutzen, das hab ich im Fernsehen gesehen“, „unter keinen Umständen zu Fuß weitergehen oder gar nach Hause laufen, du verlierst sonst deine Chefposition!!“ oder „du musst deinem Pferd einfach mehr Druck machen, dann geht der da schon vorbei. Wenn du absteigst hast du da keine Chance“ oder „ dein Pferd hat nicht genug Respekt vor Dir!!“, „nur Angsthasen steigen ab, hat schon unser alter Reitlehrer gesagt!“ „lass eine Hilfsperson mit einer Plastiktüte hinter dir wedeln, hilft immer, das hab ich im Fernsehen gesehen!“

Also okay absteigen darf man also nicht. Das habe ich jetzt dann verstanden, weil ich dadurch meine Position in der Herdehierarchie verliere und mein Pferd scheut vor unbekannten oder für ihn komischen Dingen weil es keinen Respekt vor mir hat. Soweit alles klar 

Ich versuche bei vielen Themen objektiv und neutral zu bleiben. Vieles hat seine Daseinsberechtigung. Aber Absteigen sollte immer eine Option sein. Ihr kennt Euer Pferd am besten.

Ich bin auch ein bekennender Angsthase. Und lieber kurz ein Angsthase, als eine eskalierende Situation aus falschem Stolz, nach der ich unter ganz blöden Umständen länger nicht reiten kann oder mein Partner Pferd zu Schaden kommt. 
Ist mir eine Situation im Gelände nicht geheuer oder kann ich die Reaktionen nicht wirklich einschätzen, steige ich ab und erkunde mit meinem Pferd am Boden das Löwenzahnmonster am Wegesrand. Ist die Situation für uns Beide okay, steige ich wieder auf. Ist mein Pferd doch noch zu aufgeregt, laufe ich erst ein bisschen und steige dann wieder auf wenn mein Pferd wieder entspannt ist. Also Walk and Ride 
Mit der Zeit muss ich immer weniger absteigen. Mein Pferd lernt durch das ruhige und entspannte anschauen, dass es nichts gibt wovor es sich fürchten muss. Schließlich werde ich auf von dem pferdefressenden Holzstoß auch nicht gefressen. 

Ich entscheide immer Situationsabhängig ob ich vorausgehe, evtl. das „Monster“ anfasse und meinem Pferd zeige, dass es mich nicht frisst oder ob ich mein Pferd zum Erkunden vorausschicke. Muss ich mir Sorgen machen, das mein Pferd mir von hinten in die Fersen hüpft, schicke ich es lieber voraus. Das haben wir ja schon auf dem Platz, beim Zirkeln, Führen aus verschiedenen Positionen, Engpass-Spiele oder Hängerverladen geübt. So versuche ich den Moment zu entschärfen. Umso mehr Monster wir am Wegrand erkunden und unschädlich machen, umso mutiger wird mein Pferd. Es wird selbst immer mehr anfangen Unbekanntes zu erkunden. Also genau das, was wir für einen gelassenen Freizeitpartner wünschen. 

Seid mutig, steigt ab und erklärt Eurem Pferd die Welt. 
Walk and Ride ist immer eine Option, damit wir mehr werden als nur mutige Angsthasen. 

Cindy

www.cs-pferdetraining.com

P.S. Apantschi hat nur Angst, dass die Kekse nicht für alle reichen 


 

 

 

 

24.05.2017 

 

Wattebäuschen, Honigtopf und Trillerpfeife -  oder warum Konsequenz nichts mit streng und gemein zu tun hat

 

„Boah, Du bist ja gemein! Jetzt steht es da auf dem Gras und darf nicht mal fressen!! Das ist ja, wie wenn man Dir Schokolade zeigt und sie Dir wieder wegnimmt.“, ich weiß nicht, wie oft ich diese Sätze schon von Nichtreitern, Stallkollegen, Schülern und Spaziergängern gehört habe.

Das Pferd steht unangebunden auf der Wiese, hinter meinem Auto. Den Strick hab ich je nach Pferd, locker in der Hand oder er liegt über dem Pferdehals. Ich bin gerade am Putzen und will ausreiten.

 

Sobald mein Pferd fressen will oder irgendwo hin läuft, korrigiere ich es sofort, stelle es an seinen Platz zurück und geh weiter meiner Arbeit nach. Bleibt es einen Moment da stehen, lob ich es und mache weiter.

 

„Das Leben ist kein Ponyhof“ gebe ich ungerührt zurück und wühle im Auto nach dem Hufauskratzer.

Warum ist das so? Warum wird Konsequenz eigentlich immer mit streng und gemein verwechselt?

Es gibt anscheinend nur zwei Lager in der Reiterwelt. Wattebäuschen und Honigtopf – oder Trillerpfeife und Rohrstock. Aber Konsequenz kann ja auch liebevolle Sorgfalt und Freiräume bedeuten.

 

Ich habe auf der Weide oder auch unterwegs oft keine Möglichkeit anzubinden. Also übe ich das vom ersten Moment an. Unangebunden stehen bleiben – auch wenn ich gerade im Auto oder der Putzkiste wühle. Hier bin ich am Anfang ein richtiger Erbsenzähler und jeder Schritt wird wieder korrigiert. Sobald mein Pferd entspannt stehen bleibt, wird es gelobt. Nach ein paar Tagen müssen wir über dieses Thema nicht mehr sprechen und jeder von uns hat mehr Freiraum.

 

Ja und das leidige Thema mit dem Grasen. Sei es wie hier beim Putzen oder beim Training auf dem

Grasplatz. Es macht ja auch Beiden wahnsinnig viel Spaß wenn der geliebte Vierbeiner beim Reiten oder Longieren ständig stehenbleibt und knappert und der Mensch permanent rumzieht. Hier machen wir das ganz genauso. Wir korrigieren und loben. Fürs gewollte grasen am Seil hab ich ein Kommando. Hier weiß mein Pferd dann ganz genau „Okay ich darf“

Leider ist Satteln und Trensen bzw. Halftern, wenn das Pferd mit der Nase im Gras versinkt nicht ganz einfach und ich finde es ein bisschen unhöflich. Es ist dann kein miteinander. Jeder macht sein Ding, der Mensch satteln, das Pferd grasen.  Für Beide ist es viel entspannter, wenn jeder weiß was der andere erwartet. Und auch hier schaffen Regeln Freiräume.

 

Ich denke es ist wie mit Hunden und kleinen Kindern. (spätestens bei dem Vergleich muss ich mich

ducken J) Umso besser miteinbezogen, erzogen und trainiert, umso mehr Freiräume kann man gewähren und auch genießen.

 

Dann bleibt jetzt nur noch die Frage. Was genau ist jetzt eigentlich gemein?

Wattebäuschen und Honigtopf oder liebevolle Konsequenz und Sorgfalt.

 

Cindy

 

www.cs-pferdetraining.com

 

***darf gerne geteilt werden***

 

P.S. zeigt sehr deutlich was er von Konsequenz hält. :-D

 

 

 

 

 

04.05.2017

 

Mitleid? Mit leiden? oder Was uns wirklich weiterbringt

Das Pferd schlägt mit dem Kopf, es reißt ruckartig die Nase in den Himmel und macht kurze Tippelschritte.
Als Reiter merkt man, der Rücken bricht gefühlt bei jedem Kopfschlagen fast durch. Eine feine, leichte Verbindung zum Maul ist nicht möglich.
Die ganze Situation ist hektisch und unruhig. Mir als Reiter geht hier so einiges durch den Kopf. Meistens denke ich mir, was diesem Pferd schon alles passiert sein muss, dass es so reagiert? Wie erschüttert und kaputt muss das Vertrauen in die Reiterhand sein. Es tut mir wahnsinnig leid und ich bemerke einen dicken Kloß im Hals.

Schlägt man im Duden das Wort Mitleid nach, steht da kurz und bündig „Anteilnahme am Leid anderer“.
Das trifft es ganz gut. Aber was bringt es? Wem bringt es was? Und was ändert es?

Ganz klar ausgedrückt, es bringt demjenigen, mit dem man Mitleid hat, überhaupt nichts. Nichts, nicht einen Gedanken. Wenn der Aufschrei der Welt über diese Aussage fertig ist, können wir weitermachen.

Auch wenn ich mit dem Pferd und seiner Vorgeschichte wahnsinniges Mitleid habe, ändert es nichts daran, dass es mir im nächsten Moment des Kopfschlagens die Nase bricht, um das ganz salopp auf den Punkt zu bringen. Auch das Weinen der Besitzerin, über das Verhalten Ihres Pferdes, hilft weder dem Pferd noch mir als Reiter.

Viel wichtiger und vor allem helfender ist es, dem Pferd einen Weg aus seiner Misere zu weisen. Möglichkeiten zu bieten. Vertrauen zu vermitteln, auch Fehler machen zu dürfen. Ihm Hilfen an die Hand zu geben, mit denen es ihm gelingt wieder Vertrauen in die Reiterhand zu fassen.

Am Boden besteht das Problem nicht. Das Pferd dehnt sich vertrauensvoll an die Hand und reagiert auf kleinste Zügelhilfen. Zähne, Rücken, Sattel und Gesamtzustand wurden von mehreren Spezialisten untersucht und es wurde nichts Auffälliges gefunden. Nachdem das Problem am Boden nicht besteht, müssen wir dem Pferd von oben helfen sein Vertrauen zurückzugewinnen.

Wahrscheinlich sieht das dann von außen, wenn die Umstände nicht bekannt sind, nicht immer entspannt und schön aus. Aber irgendwie müssen wir dem Pferd erklären, was wir wollen und müssen es dazu animieren Lösungen zu suchen.

Erst wenn es sich traut, verschiedene Möglichkeiten zu versuchen, haben wir eine Chance auf eine feine und leichte Verbindung und auf lange Sicht, auf ein entspannteres Leben. Wichtig ist ein gutes Timing, um die richtigen Lösungsansätze zu bestärken und zu belohnen. Nur dann wird das Pferd versuchen, sich weiter in die gewünschte Richtung zu entwickeln. Dann steht dem Miteinander, an einer vertrauensvollen Verbindung zu arbeiten, nichts mehr Weg. Die Gedanken und die Vorgehensweise lassen sich fast auf jedes Problem projizieren und übernehmen.

Kopfmäßig macht es für uns vielleicht noch einen Unterschied ob es das eigene Pferd oder ein fremdes Pferd ist.
Für das Pferd selbst macht es keinen.

Mitleid ist die schlechteste Voraussetzung für etwas. Mitleid haben, ändert nichts. Lieber mit Verständnis und Mitgefühl gemeinsam versuchen die Situation zu ändern, um einen weiteren kleinen Schritt vorwärtszukommen.

Es lohnt sich – versprochen!

Cindy

www.cs-pferdetraining.com

P.S. Müde gespielt - Mitleid zwecklos ��

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

15.02.2017

Nichts muss so sein, nur weil es schon immer so gewesen ist oder Warum wir doch öfter mal umdenken sollten.

 

Eigentlich wollte ich schon lange etwas über „Problempferde“ oder wie wir es ausdrücken „Pferde mit besonderen Bedürfnissen“ mit Ihren Besitzern schreiben. Aber es gibt so viele verschiedene Probleme und so viele verschiedene Möglichkeiten sie zu lösen; verschiedene Arten des Trainings. Das kann ich unmöglich in einen Artikel packen.

 

Ich denke, jeder interpretiert ein „Problem“ anders. Für manche bedeutet es ein Scheuen vor unbekannten Dingen, ein Nichtkommen auf der Koppel, Bocken beim Angaloppieren, Drängeln auf dem Weg zur Weide, ein Rausheben in den Übergängen usw. usw.

 

Beim ersten Kennenlernen von Pferd und Reiter schaue ich immer genau hin. Ich lasse mir das Pferd und ggf. die Ausrüstung zeigen und beobachte den ganz normalen Tagesablauf. Vom Holen, Putzen, Satteln bis beispielsweise zum Reiten. Ich hinterfrage dann oft einzelne Handlungen oder eben, was mir so auffällt. Auf keinen Fall um jemanden bloß zu stellen, sondern um das Bewusstsein für das eigene Handeln zu schärfen und

auch um das eigene Handeln zu hinterfragen. Ein Punkt, der mir dabei immer wieder auffällt, wenn ich Menschen kennenlerne, die Probleme mit Ihren Pferden haben, (oder meistens eben auch umgekehrt) ist oft der Satz: „Das muss man doch so machen.“

 

Manchmal sind wir ja alle etwas betriebsblind. Und diese beiden Sätze „das muss man doch so machen“ und „ das haben wir schon immer so gemacht“ sind ohne Zweifel die häufigsten Antworten auf meine Frage, warum man etwas, gerade wie tut.  Selten bekomme ich eine genaue Erklärung über die momentane Situation oder die Vorgehensweise, einfach auch, weil mein Gegenüber oft gar nicht weiß, warum er etwas genau so tut. Meistens weil der Reitlehrer, der Trainer, die Reitbeteiligung, der Besitzer, die Stallkollegen, ein Pferdguru/Provieh im Buch oder im Fernsehen oder

Irgendjemand es einem so gesagt hat. Nach einem „Warum“ wird hier dann nicht gefragt. Manchmal ist es auch nicht gewünscht, man traut sich nicht oder es ist zu unbequem. Aber gerade das ist unendlich wichtig.

 

Warum, wieso machen wir das so? Was bewirkt es im Pferd? Wie ändert sich etwas? Wie kann ich etwas bewusst beeinflussen oder ändern? Fragen, die man sich immer trauen sollte, zu stellen. Nur wenn man diese Fragen für sich selbst beantworten kann, kann man es auch seinem Pferd vermitteln.

 

„Das muss man so machen“ – „Das haben wir schon immer so gemacht“ – Sätze die man mal so im Einzelnen auf sich wirken lassen muss. Ich persönlich bekomme hier bei näherer Betrachtung ein beklemmendes Gefühl. Ich denke, so ungefähr geht es manchen Pferdebesitzern und ihren Pferden auch.

 

Diese beiden Sätze lassen keine Veränderung zu, es bleibt beim Schubkastendenken und beim Schema „F“. Aber Pferde sind, wie wir Menschen Individuen. Was dem einen hilft, taugt dem anderen vielleicht gar nicht.

 

Ich kann immer nur ermutigen auch mal einen anderen Weg einzuschlagen, um das passende für sich und sein Pferd zu finden. Schaut Euch um,  seid offen für Neues. Stellt Fragen und gebt nichts auf schnelle Lösungsversprechen. Gebt Euch nicht mit, „weil das eben so ist“ zufrieden. Sucht Euch Euren individuellen Weg und fragt nach einem „Wie“, „Warum“, „Wieso“ und „Weshalb“. Nur wer wirklich versteht, kann auch erklären.

 

Nichts muss so sein, nur weil es schon immer so gewesen ist und manchmal muss man eben die Perspektive wechseln, um den Himmel zu sehen.

 

Cindy

 

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31.01.2017

Komm mit mir ins Abenteuerland oder Oh, wie schön ist Panama

 

Ich werde häufig gefragt, was Jungpferdebesitzer mit Ihren Pferden üben sollen, bis die Zeit zum eigentlichen Anreiten kommt. Die Zeit zu überbrücken ist ja manchmal recht lange und zu üben gibt es so unendlich viel. Für die meisten Pferde beginnt jedoch meistens erst mit dem Anreiten die eigentliche Ausbildung.

 

Eigentlich nicht so viel, ist oft  meine Antwort. Jungpferde ABC wie führen, Hufe geben, still stehen, Hänger fahren, spazieren gehen, spielerisches Anti-Schreck, tja und dann einfach Kind sein lassen. Ich halte nichts davon, die jungen Pferde mit einem Überangebot an Trainingsmöglichkeiten zu erdrücken.

 

Spazieren gehen finde ich persönlich immer besonders wichtig. Wenn sicher Führen sitzt, dann raus ins Gelände und die Welt entdecken. Es gibt so viel anzuschauen, an jeder Ecke etwas Neues und vielleicht trifft man unterwegs etwas Spannendes zum Üben; die gemütlichen Graspausen nicht zu vergessen.

 

Die Erfahrung zeigt, dass wenn gerade junge Pferde schon viel draußen unterwegs waren, das erste Ausreiten oder allein ausreiten usw. kein Problem ist. Für sie ist die Welt draußen nichts Furchterregendes und sie werden auch in vielen anderen Situationen mutiger.

 

Mit Eri´ bin ich auch viele, viele Kilometer gelaufen. Querfeldein, Hügel hoch und runter, durch den Ort, am Sportplatz vorbei. Wir haben uns Baustellen, komische laufende Heuballen (Schafe), andere Jungpferde, Hühner, Pfützen, Landmaschinen, Holzstapel und und und…. angeschaut. Die Liste lässt sich endlos fortführen. Natürlich nicht alles an einem Tag und auch nicht von Anfang an. Schließlich musste sie das alles auch erst mal verarbeiten.

Wir sind mit kleinen Haus- und Hofrunden gestartet, dann haben wir erstmal die nähere Umgebung vom Stall erkundet. Immer nicht lange und auch nicht jeden Tag. Manchmal alleine, manchmal mit einem anderen Pferd.

Manchmal haben wir uns unterwegs von einem Begleiter getrennt oder fremde Pferde getroffen. Alles Situationen, die auch beim Ausreiten passieren können.

 

Zwischendurch haben wir spielerisch mit kurzen Einheiten Bodenarbeit und Freidressur angefangen. 

Die einzelnen Übungen und Elemente haben wir dann wieder mit nach draußen genommen. So hat man uns öfter nebeneinander auf dem Feldweg galoppieren oder einparken an einer Mauer üben sehen.

 

Diese Spaziergänge bringen einander so nah zusammen.

 

Eri wird jetzt, mit ein bisschen mehr als  4,5 Jahren, so langsam angeritten und auch hier sind wir viel draußen unterwegs. Wir arbeiten am Gleichgewicht, einem guten gleichmäßigen Vorwärts und an einer schönen Verbindung am Halfter. Und was soll ich sagen. Das viele Laufen (1,5 Jahre) hat sich gelohnt. Für Eri´ ist draußen alles so ziemlich selbstverständlich und bis jetzt haben wir noch nichts gefunden, vor was sie Angst hat. Auch den ersten Galopp haben wir im Gelände versucht. Ich hab mich gefreut wie Bolle und Eri´ fand dabei gar nichts Besonderes.

Zumindest besagte das ihr entnervter Gesichtsausdruck, als ich stürmisch lobend und bestimmt quietschend an ihrem Hals hing.  :-D

 

Natürlich üben wir auch auf dem Platz miteinander, aber die natürlichen, gegebenen Trainingsmöglichkeiten im Gelände wissen wir sehr zu schätzen und für uns zu nutzen.

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Restwoche. Wir gehen heute Nachmittag wieder raus und schauen, was uns vielleicht Spannendes an der nächsten Kreuzung erwartet - frei nach dem Motto: „Komm mit mir ins Abenteuerland.“

 

Cindy

 

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18.01.2017

 Ach, es ist so verdammt einfach die Welt blöd zu finden  oder  Würdest Du tauschen?

 

Ach, es ist so verdammt einfach die Welt blöd zu finden  - Ein Text von Meike Winnemuth

Die Bahn hat Verspätung…  was hat der Typ für ein unmögliches Hemd an. Es gibt nicht wenige Leute, die sich glücklich jeden Tag versauen, indem sie diesen schmaläugigen Blick auf ihre Umwelt werfen; auf der Lauer nach Dingen, die sie ärgern können. Das Wetter, das plärrende Kleinkind… nervig. Wir leben in einer Kritikgesellschaft. Schon in der Schule geht es darum, Fehler anzustreichen. Nicht das Gelingen wird belohnt, sondern das Scheitern gestraft. Ober wie es so oft heißt, nicht geschimpft ist gelobt genug.

 

So ein toller Text, der zum Nachdenken und an die eigene Nase fassen anregt.

Passt er doch auch perfekt zum Thema Menschen-/Pferdetraining.

Kritikgesellschaft – ja man muss sich schon sehr gut überlegen, was man nicht nur bei Facebook der Öffentlichkeit preisgibt. Auch im Stall und in der Beziehung zu unserem Pferd gibt es diese immerwährende Kritikgesellschaft. Unbewusst sind wir manchmal bestimmt auch ein Teil davon.

 

Ich bin mir gegenüber immer sehr selbstkritisch. Ich schaue genau hin. Wie gehe ich mit meinen Pferden um?

Welche Gedanken habe ich beim Training? Lobe ich genug? Hab ich alles auch so genau erklärt, wie ich mir das vorgestellt habe? Wie ist mein Timing? Weiß ich Kleinigkeiten überhaupt richtig zu schätzen?

 

Ich glaube es gibt nichts, was einen weniger weiterbringt, als abzustumpfen, die Augen zu verschließen und alles als gegeben und selbstverständlich hinzunehmen. Letztendlich ist es auch nicht fair.

Ein geschätzter Partner wird immer leistungsbereiter und motivierter sein als ein Untergebener.  

Oder würdet ihr für jemanden, der es nicht zu schätzen weiß, Euer Äußerstes geben?

 

Wahrscheinlich genauso wenig wie ich!

 

Bewundernswert und gleichzeitig furchtbar anstrengend finde ich schon immer diese ewigen Überoptimisten,

die selbst im größten Sumpf noch eine schöne Farbe im Wasser erkennen können. Sie sehen keine Fehler, können diese weder einschätzen noch beheben, haben kein Timing, loben selbst das Putzzeug und leiden an leichter Selbstüberschätzung. Und von diesen ewigen Pessimisten, Kritikern und Erbsenzählern, die hinter jeder netten Geste eine Verschwörung sehen oder ein Kratzen an ihrer Rangordnung, da hab ich dann auch schon lange genug davon.

 

Wie immer sind das Mittelmaß und der Weg zwischen den Klippen eine schmale und steinige Gratwanderung. 

Alles andere wäre ja auch wieder zu einfach. Richtiges klares Sehen. Bewusst einschätzen und wahrnehmen können, ohne zu verurteilen. Gelungenes und angebotenes Loben, Versuche bestärken und eine gute Selbsteinschätzung.

 

Es wäre schade, wenn uns die selbstverständlichen Kleinigkeiten erst auffallen würden, wenn sie fehlten.

 

Ein Gedanke, der mir beim Umgang, Training & Haltung von Pferden immer wieder präsent ist, prägt die Art des Umgangs und die Sichtweisen aufeinander ungemein.

„Überlege Dir immer, ob Du bereitwillig tauschen würdest?“

 

Nicht nur bei Pferden sollte dieser Gedanke präsent sein, sondern auch beim Umgang mit anderen Menschen und Tieren. Allein diesen Gedankenfetzen im Kopf zu haben, ändert bestimmt einiges.

„Überleg Dir immer, ob Du bereitwillig tauschen würdest?“ Und? Würdest Du?

 

Cindy

 

www.cs-pferdetraining.com

 

 

 

13.12.2016

Weil ich dich mag,  weil Du mir wichtig bist oder wenn man sich doch mal streiten muss

 

Ich freue mich immer wieder sehr, wenn ich höre  „man sieht bei Dir und Apanatschi total, wie gern ihr euch habt“ Ein Satz der mir immer wieder viel bedeutet.

 

Das will man ja eigentlich. So eine Einheit sein, so eine gegenseitige „Du bist mir wichtig“ Ausstrahlung haben, das man es vielleicht sogar nach außen sieht.

Ich glaube so eine Verbindung oder so eine Ausstrahlung füreinander kann nicht lügen.

Aber wie ist es, wenn man mal doch nicht einer Meinung ist?

 

Apanatschi und ich können ganz herrlich miteinander streiten, wie ein altes Ehepaar. Ich hab sie vor 14 Jahren mit 3 Jahren kennengelernt. Mit 5 Jahren angeritten, seither sind wir ein Team, meistens zumindest. Unsere Beziehung macht glaub ich so einzigartig, welchen Weg wir Seite an Seite, gemeinsam gegangen sind. Apanatschi war schon immer anders, manchmal auch mehr als schwierig und mehr als einmal hab ich den Rat bekommen sie zu verkaufen oder zum Metzger zu geben. Und das auch von wirklich bekannten, renommierten Trainern und Ausbildern. Bestimmt oder eher ganz sicher, hat bei uns nicht immer alles schön ausgesehen oder sich gut angefühlt. Ich mag zum Teil nicht mal mehr darüber nachdenken, was wir beide oder zum größten Teil Apanatschi mit mir und den tollen Trainingsideen mancher Trainer früher durchstehen musste. Heute muss ich mehr denn je, den Hut vor meiner tollen Partnerin ziehen und demütig den Kopf senken, was für eine Seele, welch ein Wesen,  dass mir immer wieder die Chance zum Neustart gibt.

 

Aber egal wie schlimm es auch zum Teil für uns Beide war, hergeben stand nie zur Debatte. Unendlich wichtig, war sie mir zu jeder Zeit. Ich ihr auch, zumindest gehe ich davon aus. J

 

Mit Ihrer eigenen Art schaffte sie es, das ich vieles überdachte, immer wieder neu in Frage stellte, Antworten suchte.

Einen Weg einschlug und dann doch einen anderen nahm und vor allem lernte auf das eigene Gefühl zu hören.

 

Heute haben wir unseren Weg gefunden, sind zufrieden, motiviert, offen füreinander und können doch auch gänzlich verschiedener Meinung sein.

 

Früher hab ich mich auf jeden Streit mit ihr sofort eingelassen, heute springe ich nicht mehr so darauf an.

Der Punkt, es nicht mehr persönlich zu nehmen, es emotional mit etwas Abstand zu sehen, Gründe zu suchen und möglichst entspannt, fair und objektiv zu bleiben, hat uns so unendlich viel weitergebracht.

 

Ich überlege mir immer, was der Grund für unsere Meinungsverschiedenheit sein könnte. Körpersprache, Hilfengebung, Timing, schlecht erklärt, auf dem Schlauch stehen oder vielleicht ein nicht durchdachter Übergang von einer Übung in die andere. Manchmal schafft sie auch etwas körperlich nicht bzw. nicht mehr oder hat nicht genug Kraft und manchmal wäre etwas körperlich für sie wichtig aber es fällt ihr noch sehr schwer. Apanatschi ist meistens sehr motiviert, das meckern ohne wirklichen Grund hat sie ziemlich eingestellt.

 

Genauso vielfältig wie die Gründe sind auch die Lösungen. Eine Übung nochmal separat erklären, den Übergang von einer Übung in die andere besser vorbereiten. Präzisere Hilfen geben, besseres Timing, noch mehr loben, die körperlich schwierigen Anforderungen auf ein Minimum herunterschrauben bis Muskeln, Sehnen und Bänder wieder bereit dafür sind und manchmal auch ganz einfach etwas für diesen Tag sein lassen und ein andermal wieder drüber sprechen. Wichtig ist mir, dass wir uns nicht sinnlos streiten sondern entspannt und zufrieden miteinander eine Einheit beenden.

 

Eigentlich ist es wie in einer guten Beziehung.  Auch wenn man mal nicht einer Meinung ist, vielleicht auch mal diskutiert und streitet, das Grundgefühl füreinander darf davon nicht beeinflusst werden.

Dann geht man aus jeder gemeinsam gemeisterten Konfrontation, Klippen und Tiefen gestärkt  und aufmerksamer füreinander als Team und Partner hervor.

 

Das ist sicher nicht immer einfach aber es geht, weil wir uns wichtig sind.

 

Cindy

 

www.cs-pferdetraining.com

 

 

 

 

26.10.2016

 

Der Nachfolger – oder – warum in andere Fußstapfen treten nicht so einfach ist.

 

Mein altes Pferd hat das nicht gemacht! Mein erstes Pferd war ein absolutes Verlasspferd. Mit meiner jetzigen Reitbeteiligung ist irgendwie alles ganz anders.
Sätze, die ich so oft höre.

 

Eine gute Freundin von mir sagte mal „man braucht bestimmt zwei Jahre, bis Mensch und Pferd wirklich zueinander finden“ „So ein Schwachsinn!“, war meine lachende Antwort. Bei jedem anderen vielleicht aber bei mir doch nicht. Schließlich trainiere ich Menschen & Pferde und muss mich immer wieder auf neue Pferde einstellen oder möglichst schnell einen Draht zu Ihnen bekommen. Warum sollte das bei meinem Nachwuchspferd anders sein? Wir hatten ja die ganze Zeit schon fünf, ich konnte mir nicht vorstellen, wo bei einem Neuankömmling im Hause Schwind und im Pferdestall „Drei Birken“ das Problem sein sollte. Falsch gedacht, auch ich bin nicht davor gefeit.

 

Aber woher kommt das? Warum können wir uns manchmal nicht so gut darauf einlassen und uns öffnen? Warum kann man nicht so Recht einen Draht zueinander finden und warum gibt es nicht so ein warmes Gefühl wie man das bisher hatte?

 

Ist es die Erwartungshaltung? Man weiß ja jetzt wahrscheinlich wesentlich mehr als bei seinem Vorgängerpferd, dann sollte das ja jetzt kein Problem sein. Aber kann das jetzige Pferd die Erwartungen im Moment überhaupt schon erfüllen?

 

Ist es das loslassen und vergleichen? Vergleicht man doch immer wieder, wenn auch unbewusst mit dem Vorgänger? Obwohl wir ja alle wissen, dass jedes Lebewesen ein Individuum ist, ertappe ich mich doch immer wieder selbst dabei.

 

Ist es der Ehrgeiz oder Leistungsdruck? Wie schnell, kann man wie weit kommen. Man will beim Training schließlich keine Langeweile und im Kopf ist man eigentlich schon viel weiter. Oder, man wird immer wieder gefragt, Was?? Du sitzt da immer noch nicht drauf? Bist Du schon galoppiert? Wart ihr schon ausreiten? Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

 

Ich glaube, es gibt viele Gründe warum das manchmal einfach so ist.
Man war mit dem Vorgänger wahrscheinlich ein mehr oder weniger eingespieltes Team. Man kannte seine gegenseitigen Macken, wie ein altes Ehepaar. Man vergisst zu oft und zu leicht, dass früher wahrscheinlich auch nicht immer alles und sicher auch nicht von Anfang an „Heile-Welt und Honigtopf“ war.

 

Ich erwische mich immer wieder, dass in jedem Artikel, den ich schreibe, die Zeit eine große Rolle spielt. Aber sie gehört beim Thema Pferd immer wieder und unweigerlich dazu.


Wir sollten dem Nachwuchs- oder Nachfolgerpferd auch die Zeit einräumen, die wir unserem vorherigen oder älteren Pferd schenkten. Und mindestens genauso viel Geduld und Liebe investieren.

 

Ich bin sicher, wenn wir einen Blick für sie bekommen, sie auf uns wirken und erstrahlen lassen, ihre eigenen Fußspuren machen lassen und vor allem in ihrem Tempo gehen, werden sie mindestens einen genauso großen Platz in unserem Herzen haben.

 

Wir werden überrascht sein, wie sehr sie sich tatsächlich um uns bemühen, wenn wir ihnen nur die Chance dazu geben.

 

Sie sind keine Nachfolger, sie sind einzigartig.

 

Cindy

 

www.cs-pferdetraining.com

 

P.S. auch wir mussten lernen, dass es nicht ganz so einfach ist, eigene Fußstapfen, im eigenen Tempo zu machen.

Vielen Dank Sandra Zich und Susanne Lohas für die klaren Worte und fürs Blick schärfen.

***darf gerne geteilt werden***

Das wunderschöne Foto ist von www.pt-arts.de

 

 

 

12.10.2016 

Heute geht’s nicht – oder warum wir manchmal einfach ein bisschen inkonsequent sein müssen

 

An manchen Tagen da kann man gefühlt alles J. Jede mögliche Situation mit den Pferden macht man ganz entspannt mit links, ohne auch nur einen Gedanken an irgendetwas negative zu verschwenden. Man ist absolut konsequent, fair und gelassen. Ja und daaaaannn gibt es auch die anderen Tage.

 

Da geht dann schon den ganzen Tag nicht alles wirklich glatt. Die Nerven liegen etwas blank und man ist nicht ganz so belastbar wie sonst.

An solchen Tage geht dann nicht wirklich viel. Legen wir an anderen Tagen Wert darauf, dass man z.B. auf dem ersten Hufschlag an der gefährlichen Schreckecke vorbeikommt, reiten wir an solchen Tagen schon mal vorab lieber auf dem zweiten oder noch besser dritten Hufschlag, nur um der eventuell kommenden Konfrontation oder der Diskussion wohlweislich aus dem Weg zu gehen. Morgen geht’s dann wieder.

 

Ist das jetzt dann wirklich inkonsequent???

 

Puh, das ist jetzt schwierig zu sagen. Ich könnte auch darauf bestehen, auch an einem nicht so guten Tag auf jeden Fall auf dem ersten Hufschlag an der Schreckecke vorbeizugehen aber das wird zu 99% nicht funktionieren. Wir haben die Situation ja praktisch im Kopf schon durchgespielt.

Kopfkino: das Pferd wird sich an besagter Ecke erschrecken (dafür ist die Ecke ja auch schließlich da – gibt’s auch in jeder Halle), wird loshüpfen und ich werde entweder unentspannt im Zügel hängen oder sogar im Dreck liegen. Nachdem ich heute dafür weder die Ausrüstung zum fallen, noch die Nerven dafür anhabe, vertage ich es auf morgen. Da ist sowieso wieder alles besser und es wird dann ohnehin zu keiner blöden Situation kommen.

Ich denke blöde Situationen kennt jeder, egal ob beim Reiten oder am Boden, beim Führen, verladen, einsprühen, spazieren gehen usw. usw. usw.

 

Es  ist immer wertvoll auf das eigene Befinden und auf sein Bauchgefühl zu hören. Manchmal nehmen wir unbewusst Warnsignale auf und unser Körper bzw. unser Kopf reagiert entsprechend.  Es kann ja auch sein, dass an nicht so guten Tagen trotzdem alles glatt geht, wenn ich mich zusammennehme und es drauf ankommen lasse aber manchmal kann man einfach keinen kühlen Kopf bewahren. Vielleicht bringt es uns auch mal weiter wenn man sich überwindet und manchmal wirft es uns vielleicht auch wieder zurück. Wenn ich merke, dass es heute halt mal nicht geht, verschiebe ich es einfach.

 

Wichtig ist hier glaube ich nur, keine Vermeidungstaktik an den Tag zu legen, sonst wird aus einem schlechten Tag eine dauerhafte Vermeidung und dadurch vielleicht irgendwann Angst die sich dann auch noch perfekt überträgt. Und das wäre schade.

 

Manchmal darf in der Herde, der Rangniedrigste oder der Zweite in der Hierarchie direkt beim Chef grasen, mit ihm zusammen aus dem Bottich trinken oder sogar am Kraftfutter-Eimer die Nase mit reinhängen. Ja aber nur manchmal. Heute schon, morgen vielleicht nicht mehr. Heißt das jetzt Pferde sind auch inkonsequent? Da muss man dann mal separat ein bisschen drüber nachdenken…..

 

Cindy

P.S. das ungleiche Pärchen, teilt sich heute sogar ausnahmsweise die Raufe

 

 

 

 

 

19.09.2016

Reitbeteiligung – Fluch oder Segen?

 

Biete / Suche Reitbeteiligung. In allen Pferdforen gibt es hierfür eine Vielzahl von Gruppen.
Da wird gesucht und geboten und schon im Inserat eigentlich genau beschrieben,

was oder wen man sucht oder  was genau geboten und dafür verlangt wird.

 

Für jeden Reiter mit eigenem Pferd gibt es nur eine Meinung zum Thema Reitbeteiligung:

JA oder Nein bzw. NIE WIEDER!!

Hat man ein passendes Inserat gefunden oder man wurde gefunden, wird ein Termin ausgemacht.
Mit Argusaugen beiderseits wird untersucht und manchmal das Pferd vorgestellt, als solle das arme Hüh verkauft werden. Jeder versucht einen bestmöglichen Eindruck zu machen, das Pferd manchmal ausgenommen ;-)

 

Reitbeteiligung A kommt leicht unpünktlich zum Termin am Selbstversorger / Offenstall an.

Das Pferd steht selig einpaniert im Winterfell an der Heuraufe und mümmelt vor sich hin. Mitanzupacken hat die vielleicht zukünftige RB keine Zeit obwohl es in der Anzeige

eindeutig stand und mit Glitzer an den Reitschühchen ist es vielleicht auch etwas ungeschickt.

Das typische Reitstallkind kommt, reitet und geht wieder. Ist das Pferd nicht reitbar kommt es nicht PUNKT


Wie die Kumpels des Pferdes heißen, wo es am liebsten gekrault werden will und mit wem es am liebsten ausreiten geht hat das typische Reitstallkind keine Ahnung. Woher soll es das auch wissen, es kommt nur zum Reiten.

 

Bei Reitbeteiligung B bleibt mir nicht viel zu schreiben. Sie kommen, sind hochmotiviert fast euphorisch, kommen dann vielleicht, wenn schönes Wetter ist, ein paarmal und sind dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
Gründe unbekannt.

 

Dasselbige gibt es übrigens auch bei Pferdebesitzern, eben nur andersrum. Bei denen ist dann die Reitbeteiligung die billige Arbeitskraft die auch noch mithilft das Pferd zu finanzieren und die natürlich an allem Schuld ist, was das Pferd nicht kann. Aber das ist ein anderer Artikel, der soll ein andermal geschrieben werden….

 

Und dann gibt es sie noch, ganz, ganz selten, mit Gummibärchen nicht aufzuwiegen. Reitbeteiligungen die das Pferd so behandeln als wäre es ihr eigenes, die sich endlos bemühen und mit denen man sich noch freundschaftlich super gut versteht, mit denen man zusammen an einem Strang zieht.

Wenn man so jemanden hat, muss man ihn mit beiden Händen und evtl. unter Zuhilfenahme jeglicher Führstricke festhalten.


Bei der Ausbildung des Pferdes, bei der Fütterung, im Umgang, den Ausreitgewohnheiten kann man sich super austauschen, ergänzen und auch freundschaftlich bei verschiedenen Meinungen diskutieren. RB´s die auch Wissen, das ein Pferd nicht nur Spaß macht sondern auch eine Heidenarbeit macht und Kosten verursacht. Reitbeteiligungen die ihren Platz, ihre Aufgaben, ihre Privilegien und vor allem ihren Stellenwert kennen. Hier gibt es wirklich ganz tolle Teams.

 

Ich glaube das Wichtigste bei der Suche nach einer RB ist, alle Wünsche und Vorstellungen offen zu äußern.  Für Pferdebesitzer und für die Reitbeteiligung. Auch für das Pferd ist es super,

wenn alle an einem Strang ziehen.


Vielleicht kann die Reitbeteiligung Sparten abdecken oder Anregungen mitbringen für die man bisher noch keine Zeit oder noch keinen Blick hatte.

 

Ich denke wenn alle anfallenden Themen offen besprochen werden, ist eine Reitbeteiligung mehr als nur ein Mensch an meinem Pferd, sondern eine echte Hilfe und vielleicht auch ein echter

Freund.

 

Cindy

 

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P.S. sucht nur eine Beteiligung die ihr nochmal den Futtereimer füllt.

 

 

 

 

 

 

06.09.2016

Prinzessin L.ll.fee erobert die Welt – oder – Das Spiel um den Thron

 

Wer kennt sie nicht? Es gibt sie mit Sicherheit in jedem Stall. Überbesorgte, super liebe Pferdemamis deren ganzes Sein sich nur um eins dreht. Die Launen, Wünsche und Befindlichkeiten von ihrer Prinzessin L.ll.fee im Stall.

 

Seit L.ll.fees Einzug in den Stall ist sie die Prinzessin der Herzen. Wallemähne, hübsches Gesicht, Kulleraugen, einfach wunderschön und genau das weiß sie auch. Und die Pferdemami will nur eins. Von ihrer Prinzessin geliebt werden. Die Angst vor Enttäuschung ist groß, deshalb wird sie alles tun, damit die Prinzessin ihr zugetan ist.

 

Manchmal bleibt mir nicht mehr als schmunzelnd mit dem Kopf zu schütteln. Prinzessin L.ll.fee bestimmt alles. Sie will beim Spazierengehen lieber rechts abbiegen als links, natürlich, die liebe Pferdemami will jetzt doch auch lieber nach rechts. Sie bekommt ihr Mash linksgerührt statt rechts und mag lieber das pinke Mähnenspray wie das günstige blaue. Und wenn Prinzessin L.ll.fee schlechte Laune hat, bekommt sie erstmal ein paar Kekse um die Laune zu heben. So einfach ist das :-) Alles, damit die Prinzessin zufrieden ist und friedlich Hof halten kann.

 

Diese Art der Pferdemamis sind super. Sie kümmern sich um alles, nichts ist ihnen zu viel. Sie lassen fast ihr ganzes gesellschaftliches Leben sausen und man findet sie zu jeder Tages- und Nachtzeit im Stall bei ihrem Liebling.


In der Putzkiste findet sich kein Stäubchen und Härchen, den Futtereimer könnte man Sonntag, ohne Auffallen, mitten auf den Esstisch stellen. Die Mähne von Prinzessin L.ll.fee ist immer wallend gekämmt und sie will nur bei schönem, fliegenfreiem Wetter auf die Koppel. Beim Schmied pardon Pediküre werden immer wieder neue Bearbeiter gesucht, da die Prinzessin nicht mit jedem einverstanden ist. Kurzum Prinzessin L.ll.fee führt ein Leben wie Gott in Frankreich.

 

Jetzt ist es aber so, dass man ein Pferd ja nicht unbedingt nur zum tütteln, putzen und füttern hat. Eigentlich möchte man es ja auch reiten. Ja und genau hier liegt der Hase im Hafer. Prinzessin L.ll.fee hält davon nämlich nicht wirklich viel. Schon bei der Bodenarbeit mag sie bestimmen, wie, was und vor allem, wie lange etwas gemacht wird. Beim Reiten ist es ähnlich. Richtung, Tempo und Dauer bestimmt sie. Sie weiß genau, wo der Heimweg oder der Ausgang ist und wird dir diesen, bei Bedarf auch mehrfach zeigen.


Ein bisschen ungeschickt, wenn man auf Turnier, Wanderritt oder einfach nur ausreiten will.
So langsam dämmert der lieben Pferdemami das irgendetwas ein bisschen falsch läuft. Ist Prinzessin L.ll.fee doch sonst so eine liebe Maus. Und das sie jetzt tun soll, was irgendein Bediensteter ihr sagt, geht überhaupt nicht.

 

Spätestens jetzt ist es Zeit die Prinzessin ein bisschen von ihrem Thron zu schubsen und ihr die Regeln des Lebens zu erklären. Und der lieben Pferdemami am besten gleich mit. Die Mami sieht langsam so einiges ein, kommt aber noch nicht so Recht aus ihrem Bediensteten-Modus. Sie braucht vor allem mentale Unterstützung und die Versicherung, dass L.ll.fee sie trotzdem gern hat.

Die Prinzessin dagegen fühlt sich wie im BootCamp und rüstet zum Kampf auf, schließlich will sie ihren Thron behalten. Mit Logik, Motivation und Ausdauer bringt man sie schließlich dazu mitzumachen. Gemeinsam ist es ja auch viel schöner etwas zu unternehmen als so ganz alleine auf einem Thrönchen.

 

Man wird noch einige Zeit brauchen, um das Spiel um den Thron dauerhaft zu gewinnen und die Pferdemami zu pushen um für ihre Sache einzustehen. Aber es wird beide weiterbringen.

 

Aber Achtung, es gibt viele kleine Prinzen Rubinchen und Prinzessin L.ll.fees .
Sie werden ganz, ganz selten so geboren aber man kann sie sich ganz einfach zu solch Prinzen und Prinzessinnen erziehen.

 

Cindy

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P.S. Dem Prinzen auf dem Bild hab ich mir ganz alleine so gemacht. Und mittlerweile ist er sogar fast ein Beau

 

23.08.2016

 

Ich mecker NIE wieder über Dich!! – oder –Warum wir es trotzdem immer wieder tun.

Manchmal ist es zum Haare raufen und Pferdebollern durch die Gegend schmeißen.
Man übt etwas und übt und übt und es will einfach nicht klappen. Man motzt und meckert und letztendlich schiebt man das Thema noch einmal weit nach hinten. Und dann urplötzlich aus heiterem Himmel klappt es dann.

Man freut sich ohne Ende und sagt dann meistens „Ich mecker nie, nie wieder über Dich!! Versprochen!“
Hand hoch, wer das nicht kennt.

Ich bin hier auch immer so ein Kandidat. Aber nur ein paar Wochen, Tage, Stunden, oder vielleicht auch nur Minuten später, ist es wieder ein bisschen vergessen und ich tu es dann doch wieder. Aber warum ist das so? Warum können wir nicht einfach mal zufrieden sein.

Gehen wir doch mal zurück. Wenn wir mit drei Jahren perfekt Schuhe binden konnten, waren wir der König im KIGA,
mit sieben hat kein Hahn mehr danach gekräht um nur ein Beispiel zu nennen.
Beim ersten Galopp auf unserem jungen Pferd sind wir überglücklich, ein paar Wochen später ist es selbstverständlich. Und das es auf der richtigen Hand anspringt sowieso.

Eigentlich ist es ja gut so. Sonst wäre eine Weiterentwicklung nicht möglich und wir würden immer noch in der Steinzeit leben. Stillstand ist Rückschritt. Ohne Ehrgeiz kein Vorankommen. Aber manchmal ist es aber auch zu viel Ehrgeiz und zu viel Energie, die ein Vorankommen verhindern.

Wichtig, ist es auch mal zurückzuschauen, welchen Weg man schon gemeinsam gegangen ist. Was man bisher schon alles erreicht hat. Manchmal darf man dann sich und seinem Pferd auch mal selbst auf die Schulter klopfen und einfach mal zufrieden sein. Vielleicht kann man sich auf seiner jetzigen Stufe ein bisschen ausruhen und das Geschaffene genießen vorm Weitergehen oder auch einfach da bleiben. Je nach Wunsch und Gefühl.

Wenn wir unsere Erwartungshaltung ein bisschen runterschrauben und fühlen was das Pferd uns im Moment geben kann, werden wir feststellen, dass wir damit eigentlich schon ein bisschen zufrieden sein können.
Zufriedenheit schafft Motivation und Motivation bringt uns und unser Pferd weiter.

Es gibt für dieses Thema eigentlich kein besseres und eindringlicheres Fazit wie:
"Gedankenlosigkeit ist es, die uns den Wert des Augenblicks vergessen lässt." - Johann Wolfgang von Goethe

Vielleicht hilft der Gedanke, um manchmal ein bisschen „bewusster“ für den Augenblick zu bleiben und wirklich weniger zu meckern ;-)

Dann klappt auch der Rest – ganz sicher.

Cindy

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P.S. Die Kandidatin auf dem Foto kennt das nur zu gut. Sie treibt mich immer wieder mal zur Verzweiflung und dann gibt es sogar Videoaufnahmen auf denen ich ganz verzückt flöte „ich mecker nie wieder über Dich“ ;-)

 

 

 

13.07.2016

 

Was ist eigentlich normal? Wer legt normal fest? - oder -  Was ist eigentlich das Problem, wenn man nicht ins Regime passt?

 

Immer wieder lerne ich Pferde kennen, bei denen der Besitzer/Trainer meint, der, die, das ist nicht normal.

Oft kommt mir dann immer derselbe Satz in den Sinn. Was ist eigentlich normal oder wer legt normal fest? Vielleicht ist ja das Pferd normal und wir alle anderen nicht?

 

Eigentlich sind wir ja alle nur so wie wir gemacht werden. Jeder hat so seine eigene Lebenssuppe, die je nach Lebensweg, unterschiedlich gewürzt und gestaltet ist, auch unser Pferd.

Manche Sachen können wir lernen, andere passen überhaupt nicht rein, nicht mal als Beilage.

 

Wir kaufen uns ein Dressurpferd zum Dressur reiten, ein Springpferd zum Springen und ein Cuttingpferd fürs Kühe schubsen aber was tun wir wenn das Pferd genau das nicht tut, nicht tun möchte oder keinen Sinn darin sieht?

 

Im Standard-Ausbildungsbetrieb gibt es hierfür häufig keine Extrabehandlung. Es wird genauso gearbeitet wie mit jedem anderen Pferd. Hat bisher ja auch immer genau so funktioniert.

Geht das dann in die Binsen, ist ganz sicher das Pferd nicht normal. Der blöde Bock bewegt sich dann überhaupt nicht mehr oder geht gezielt dagegen, er taugt nichts und am besten sucht man sich ein anderes.

Vorsatz ist das in den meisten Fällen sicher nicht. Eher das starre Schubkastendenken des Regimes, nicht über den Tellerrand schauen, das Pferd nicht als Individuum sehen. Die Leidtragenden sind oft Pferde und Besitzer gleichermaßen. Meist trennen sich dann hier leider die Wege.

 

Ich weiß nicht, wie viele solcher „unnormalen“ Pferde, meine Trainerkollegen von überall und ich schon begegnet sind. Das Rezept dafür ist eigentlich einfach, die Durchführung dagegen hat es in sich.

 

„Verlasse Deine Komfortzone und sei der, den dein Pferd braucht“ ist ein Zitat von einem bekannten Horsemen. Dieser einfache Satz sagt eigentlich schon alles aus. Einfacher gesagt, als getan.

 

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viele lieber in ihrer persönlichen Komfortzone bleiben und entweder weiter mit ihren Problemen kämpfen und sich damit abfinden (weil ganz so schlimm, ist es ja eigentlich nicht) oder vielleicht irgendwann frustriert aufgeben.  

Umso mehr bin ich froh, wenn sich die Reiter darauf einlassen und sich um ihr Pferd bemühen. Herausfinden was das Pferd braucht, was dem Pferd Spaß macht, es motivieren, vielleicht auch körperliche Probleme lösen.

Dem Pferd neue Möglichkeiten und Ideen bieten und vielleicht doch Spaß an der gewünschten Lektion oder Sparte vermitteln.

 

Der Weg ist sicher nicht leicht aber er lohnt sich.

 

Sein Ziel nicht aus den Augen verlieren aber einen anderen Weg nehmen.

Oft bringen uns dieser Gedanke und diese Einstellung auch in unserer eigenen, persönlichen Entwicklung ein gutes Stück weiter.

 

Verlasse Deine Komfortzone und sei der, den dein Pferd braucht, wird uns in der Partnerschaft zu unserem Pferd neue Türen und Wege öffnen. Wir werden überrascht sein wie sehr sich unser Pferd für uns bemüht. Es wird uns irgendwann auf diesem Weg eine Freundschaft anbieten die wir so nie erwartet hätten.

 

Wir müssen uns nur darauf einlassen vielleicht auch nicht ganz „normal“ zu sein.

 

Cindy

 

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P.S. die Kombi auf dem Bild passte auch noch nie ins Standard-Regime und ist trotzdem zufrieden. Hier z.B. beim Fangen spielen, wo auch der Araber zum Jäger mutiert :-)

 

 

 

 

 

 

30.06.2016

 

Kekskrümelabsuchgerät oder auch Liebe kann erdrücken

 

Ich „liebe“ ja diese Pferde. Sobald man in die Reichweite der so zart, weichen Nasen kommt, beginnt das Kekskrümelabsuchgerät systematisch nach dem kleinsten Leckerlikrümel in der

Tasche zu suchen. Es macht dabei jedem Hund der Drogenfahndung Konkurrenz und ist dabei vielleicht manchmal nicht so zartfühlend und vorsichtig wie man das gern hätte.

Zur Sicherheit, damit das abgesuchte Wesen nicht flieht, parkt man schnell den Huf auf dem Schuh oder hält es mit den Zähnen an der Jacke oder Hosentasche fest.

 

Der Besitzer ist ganz entzückt. „ Ja, guck, der Bu, ist so ein schlauer, der weiß wo die

Leckerlis sind“Strahlend hilft die Besitzerin dem Pferd, das Objekt der Begierde aus der Hosentasche und ins dicht gedrängte Pferdemaul zu befördern.

Damit nicht genug, der „Bu“ weiß ganz genau, wo eins ist, sind noch mehr.

Das ist dann immer der Moment, wo ich für einen längeren Vortrag in puncto, Pferde- Mensch- Erziehung, Höflichkeit und Respekt, Luft hole.

Der Mensch erklärt mir dann Freudestrahlend, das gehört aber so, sie arbeiten ja nach positiver Verstärkung. Okay mit einem Vortrag über das Verständnis der positiven Verstärkung kommt man bei der Gattung Pferdebesitzer dann auch nicht wirklich weiter. Also lassen wir das erstmal so laufen.

 

Es dauert dann immer eine Zeit, bis der Mensch dann doch irgendwann merkt, dass man im Training immer öfter einen Euro *Verzeihung* einen Keks einwerfen muss, damit der

geliebte Hui Buh weiter mitmacht. Und vielleicht dauert es auch bis zum nächsten kurzen

„nur mal schnell schauen“ Ausflug in Ausgehklamotten in den Stall, bis man merkt, das Pferdezähne ohne dicke Jacke und schmutzige Nasen am neuen Top nicht empfehlenswert sind.

 

Hier beginnt dann erstmal die Erziehung vom Mensch. Pferdedenken, Motivation, Timing und vor allem sinnvolle Belohnung stehen auf dem Lehrplan. Vor allem sinnvolle Belohnung und nicht ein Leckerli, nur weil es gerade so lieb schaut.

Hat der Mensch das begriffen, wird das Pferd es mit der Umstellung wesentlich leichter haben. Noch einfacher für das Pferd wird es, wenn sich alle Bezugspersonen an einen gemeinsamen Plan halten.Die Angst des Menschen, mein Pferd mag mich dann nicht mehr, ist völlig unbegründet.

Gezieltes belohnen, sei es in Form von Leckerli oder ohne, öffnet oftmals verschlossene Türen und bringt uns damit einen gewaltigen Schritt weiter.

 

Ich persönlich hab nichts gegen Kekse. Meine Pferde bekommen auch. Ziemlich viele sogar,

wenn ich ehrlich bin. Ich finde sie beim Training sehr hilfreich, motivierend und wer freut sich

nicht darüber. Meine Pferde betteln deshalb nicht und würden mich nicht absuchen.

Sie fragen mal nach, wenn sie der Meinung sind das sie einen verdient hätten aber wenn keiner reagiert, dann ist es auch okay. Und wenn ich mal nichts dabei habe, was auch ganz schön oft vorkommt, freuen sie sich auch über ein aufrichtiges, herzliches Lob.

 

Alles mit Maß und Ziel. Egal ob mit Kekse oder ohne, denn auch Liebe kann erdrücken.

 

Cindy

 

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P.S.  Heute leicht überspitzt. Manchmal hab ich meine scharfe Zunge nicht im Griff ;-)

        Das Kekskrümelabsuchgerät auf dem Foto befindet sich noch in der Ausbildung.

        Aber wie man sieht,  bereits erfolgreich.

 

 

 

 

 

14.06.2016

 

Wann, machen wir Schluss? Wann, ist es besser, dass wir uns trennen?

 

Wir suchen ein neues Zuhause:

Da meine Freundin sich nicht mit meiner Schäferhündin versteht, suchen wir für sie ein neues Zuhause.

Sie ist 34, Nichtraucher, sportlich aktiv… usw. usw.

Sicher haben wir schon einmal über so eine Meldung gelacht. Aber wann ist der Zeitpunkt wo es einfach nicht mehr geht?

 

Heute geht’s aber nicht um das trennen von Mensch & Mensch sondern eher um die Trennung

Reiter & Pferd. Sicherlich ist es kein einfaches Thema und ganz sicher keins, wo man eine pauschale Aussage treffen kann.

 

Aber irgendwann steht manch einer leider vor der Entscheidung sich von seinem Pferd zu trennen, weil es vielleicht einfach nicht so miteinander funktioniert, wie man es sich wünscht, weil man nicht zusammen passt, weil die Vorstellungen voneinander zu weit auseinander gehen, weil man nicht loslassen kann, weil man Angst hat, weil die Ziele zusammen nicht erreichbar sind, weil man nicht mehr fair und objektiv miteinander sein kann, weil man nicht Reset drücken kann oder aus welchem Grund auch immer.

 

Ich erlaube mir hier keine Wertung der einzelnen Gründe.

 

Ich werde oft nach meiner Einschätzung gefragt ob man es schafft, mit seinem Pferd an den Punkt zu kommen, der einem vorschwebt. Manchmal kann ich ganz einfach ja sagen, weil ich kein Problem darin sehe oder weil ich weiß, dass man an der Aufgabe gemeinsam wachsen kann. Nicht nur die Partnerschaft mit dem Pferd, sondern auch der Mensch persönlich.

 

Manchmal muss ich aber auch sagen, was mir immer sehr schwerfällt, das es vielleicht besser ist sich zu trennen. Sei es, das die Sicherheit vom Mensch vorgeht, das Mensch &  Pferd es vielleicht beide psychisch nicht schaffen, das vielleicht die Vorstellungen voneinander oder das Können zu weit auseinander liegen, dass kurzfristig und evtl. auch längerfristig keine Annäherung möglich ist.

 

Natürlich würde es meinem Geldbeutel mehr bringen, wenn ich jedem gut zurede mehr Unterricht zu nehmen oder das Pferd ein paar Wochen bzw. Monate zum Beritt zu bringen aber ist das fair?

 

Ich denke, dass jeder eine ehrlich Einschätzung und eine ehrliche und aufrichtige Meinung haben möchte und auch verdient hat.

 

Manchmal muss man die Realität mit seinen Vorstellungen und Wünschen abgleichen und überlegen ob es für einen selbst mit seinem Partner Pferd realisierbar ist.

 

Und manchmal, muss man um fair zu bleiben, sich auch trennen, so schwer es einem fällt.

 

Cindy

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01.06.2016

Was bleibt wenn man das Halfter abmacht? – nichts als die Wahrheit

 

Die Überschrift kennen wir alle. Wenn das Pferd physisch nichts mehr an uns bindet,

ergeben sich oft ganz neue Einblicke in die Pferd-Mensch-Partnerschaft.

 

Oft sind wir uns nicht bewusst, was das bisschen Halfter und Seil psychisch bei Beiden ausmacht.

 

Der Mensch wird unbewusst oft etwas vorsichtiger in seiner Hilfengebung, weil er genau weiß, dass das Pferd einfach gehen kann, wenn es ihm zu viel ist.

 

Das Pferd wird dadurch vielleicht manchmal unsicher, weil ihm die genaue Hilfe oder das helfende Seil fehlt. Die einen machen hochmotiviert mit, andere gehen einfach, weil sie das ein super, lustiges Spiel finden und wieder andere trauen sich zu, was sie sich am Halfter nicht zutrauen.

 

Hier nur ein kleines Beispiel von vielen:

Ein Pferd reißt sich immer wieder los. Beim führen, beim longieren, beim verladen. Von der Koppel holen, ist fast nicht möglich.

Halten, kann ich es nicht. 800 kg, der Mensch ist ein Fähnchen im Wind, dass irgendwann

dann doch mal loslassen muss. Der Ablauf des losreißens ist immer derselbe. Aber meistens so schnell, das man ihn nicht schnell genug unterbrechen kann.

Hier ist es immer wieder erstaunlich was Freiarbeit bewirken „kann“.

Ich hüte mich ein anderes Wort zu verwenden, wir sprechen ja hier über Individuen beider Spezies.

 

Ein Pferd das gelernt hat sich anzuschließen, ein Mensch der gelernt hat mit seinem Pferd zu kommunizieren.

Der Weg dahin war länger als dieser Satz.

Das Pferd hatte frei, keinerlei auch nur ansatzweises Denken oder Interesse, zum Menschen zu kommen.

Warum denn auch? Ging ja bisher auch gut ohne.

Es dauerte sehr lange, bis es das erste Mal den Ansatz zeigte sich zum Mensch zu gesellen und auch etwas bei ihm zu bleiben.

Das erste zum Mensch kommen, war das Schwerste. Danach fiel ziemlich schnell alle Anspannung ab und wir konnten erst einmal frei am führen und folgen arbeiten. Es blieb sicher nicht ohne Rückschläge aber das Pferd hatte gelernt, gerne und frei bei seinem Menschen zu sein und auch ein bisschen zu bleiben.

Diese positive Erfahrung konnte in viele Problemfelder übertragen werden. Ein losreißen gibt es heute nur noch ganz, ganz selten und es wird immer weniger.

 

Freiarbeit ist für mich ein wertvoller Bestandteil und Baustein in der Ausbildung oder besser gesagt in der Partnerschaft.

 

Arbeitet frei mit Eurem Pferd und lasst Euch überraschen.

 

Cindy

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11.05.2016

 

 

„Hilfs“zügel?

 

Man sieht sie fast überall und die meisten haben sie zumindest im Schrank. Es gibt fast für jeden Ausbildungsfall oder Problem mindestens einen und zu jedem gibt’s verschiedene Meinungen. 
Es wurden schon jede Menge Artikel darüber geschrieben und am besten gefällt mir der Ausdruck 
Hilflosigkeitszügel :-)

 

 

Weder am Boden noch beim Reiten, finde ich diese „hilfreich“. 


Das Pferd lernt mit dem Hilfszügel nicht etwas selbstständig zu tun, sondern wird 
mittels Druck in eine bestimmte Form gebracht. Egal, ob es die Position überhaupt schon einnehmen kann, im Gleichgewicht ist oder ob Muskeln, Sehnen und Bänder schon bereit dafür sind. 
Verschnürt wie ein Weihnachtspaket wird das Pferd entweder nachgeben und sich verkriechen oder dagegen gehen.


Beides hilft mir, am Boden oder im Sattel nicht wirklich weiter. Eine feine und vertrauensvolle Verbindung zur Hand, ist hier in beidem Falle, nicht möglich.

 

Am besten gefällt mir hier ein Zitat von Philippe Karl: 
Wenn ein Tanzlehrer so viele Hilfsmittel anwenden wollte wie ein konventioneller Reitlehrer, um seine Schüler in eine Form zu pressen (zwingen), wäre er sicher arbeitslos.

 

Ich bin fest davon überzeugt, wenn wir dem Pferd eine Hilfe erklären und es die geforderte Übung zumindest im Ansatz körperlich erfüllen kann, wird es unserer Hilfe nachkommen und die gewünschte Position einnehmen oder es zumindest versuchen. 


Wenn das Pferd gelernt hat, etwas selbst zu tun, wird es lernen sein Gleichgewicht zu finden und ein schöne Selbsthaltung einnehmen.

 

Man muss ihnen nur genug Zeit und Möglichkeit mit sinnvoller & logischer Hilfengebung geben.

 

Cindy

 

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P.S. Das als Weihnachtspaket verschnürte Fotomodell, hat das zweiminütige herrichten mit allen möglichen „Bändeln“ und Fotografieren, mit Hilfe eines überzeugenden Karottensteckens, heil und ohne Folgeschäden überstanden :-)
- Danke der Nachfrage –

 

***Darf gerne geteilt werden***

 

 

13.04.2016

 

Dehnungshaltung - bzw. der perfekte Moment

 

Wir alle möchten unsere Pferde so trainieren, dass sie uns lange und gesund tragen können.

Eine gute Gymnastizierung, Versammlung, Aufrichtung und eine gute Dehnungshaltung

kommen da unweigerlich dazu.

 

Ich versuche mit meinen Pferden möglichst viel frei zu arbeiten und auch zu erarbeiten,

eben auch eine gute Dehnung.

 

Hier seht ihr ein Bild von Apanataschi. Ein nicht ganz so guter Moment.

Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass sie gerade etwas zu viel nach vorne kippt und

ein bisschen zu viel Last auf die Vorhand nimmt.

 

Eigentlich ein Grund um das Bild in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Das wollte ich aber nicht. Sie ist da so motiviert und bemüht. 

Ich hab genau in diesem Moment gespürt, das der Rücken nicht mehr ganz so gut ist und

Petra hat es zufällig mit der Kamera eingefangen.

 

Also nicht der perfekte Moment aber ein Moment der zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind.

Schritt für Schritt und über jeden Einzelnen freue ich mich.

 

Cindy

 

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05.04.2016

 

Gebisslos reiten – gibt es immer nur einen Weg?

 

Früher hab ich gedacht die Kluft zwischen Western- und Englischreitern, Turnier- und Freizeitreitern,

sei die einzige die unüberbrückbar ist.

Mittlerweile haben sich noch viel mehr Klippen und Distanzen aufgetan.

Cutting oder Reining, Dressur oder Springen, Klassische Ausbildung oder Horsemanship und die aktuellste Gebisslos contra Gebiss.

 

Alle aufgezählten haben im Laufe der Zeit, zumindest ein Großteil, gelernt über den Tellerrand zu schauen. Offen zu sein für Neues. Übungen aus anderen Sparten näher unter die Lupe zu nehmen

mit einzubinden oder zumindest die anderen Leben zu lassen und sich gegenseitig zu akzeptieren.

Immerhin verbindet uns alle eins, die Liebe zum Partner Pferd.

 

Die größte Kluft, die die Reiterwelt doch immer wieder spaltet ist die Frage

Gebisslos oder Gebiss.

Hier habe ich das Gefühl gibt es kein Miteinander, keine Daseinsberechtigung für den jeweils anderen. Hier scheint es nur einen Weg zu geben.

 

Entweder - oder!

Muss das so sein?

 

Ich finde beides super und meine Pferde auch.

Sie stecken bereitwillig die Nase ins Knotenhalfter, Bosal oder Halsring und nehmen von sich aus gerne die Trense oder auch die Kandare mit Unterlegtrense.

Warum sollten sie das tun, wenn ihnen das eine oder andere zuwider ist? 

 

Eine feine Hand ist unabhängig von der Zäumung. 

 

Sicher gibt es Pferde die das ein oder andere bevorzugen aber muss ich deshalb alles über einen Kamm scheren. 

Ich kenne genug Pferde die gebisslos sehr gut laufen, der Reiter sich aber nicht traut. Mit einem Stückchen Eisen kann man kein Pferd halten aber man kann zumindest seinen eigenen Kopf etwas beruhigen und dem Pferd damit die vielleicht nötige Sicherheit vermitteln.

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass man gebisslos oder auch ganz frei alles genauso erarbeiten, ausbilden und reiten kann, wie mit Gebiss aber ich möchte keine der Möglichkeiten missen oder mich stur auf etwas festlegen.

 

Und egal wie wir uns entscheiden, ein fairer & feiner Umgang mit dem Pferd ist das Wichtigste, egal ob mit Gebiss oder Gebisslos.

 

Cindy

 

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18.03.2016

Alles braucht seine Zeit.

 

Wer kennt das nicht? Man hat einen Plan im Kopf und dann kommt alles anders als man denkt.

Ich bin bei der Arbeit mit Pferden, egal ob Schüler-, Berittpferden oder meinen eigenen immer sehr motiviert. Ich überlege oft und viel, wie ich meinem Pferd etwas logisch vermitteln kann oder wie ich ein bestimmtes Problem löse. Wie ich einen Ablauf logisch aufbaue oder wie ich es als Endergebnis haben will.

 

Nehmen wir als Beispiel die Lösung für ein bestimmtes Problem. Die Ursache ist mehr oder weniger schnell gefunden. Lösungsvorschläge und Lösungsversuche haben wir auch. Wir versuchen Verhaltensweisen, Auslöser, Grundkommunikation usw. zu ändern. Das können wir alles perfekt durcharbeiten, üben, üben, üben. Das Pferd macht motiviert mit aber irgendwie ändert sich nicht wirklich etwas. Vieles andere um unser Problem herum wird besser, das bemerken wir zuerst nicht, wir sind so fixiert, denn wir kommen immer wieder an den Punkt, wo es mal wieder schief geht. Hier vorschnell aufzugeben und evtl. alles bisher erarbeitet über Bord zu werfen mach keinen Sinn.

 

Den einzigen Faktor den wir in unseren Plan nicht mit eingerechnet haben, ist die Zeit.

 

Die Zeit die es einfach braucht, eingefahrenen Bahnen und Verhaltensweisen zu verlassen. Die Zeit dies es braucht, um Muskeln, Sehnen und Bänder so zu gymnastizieren das sie die Aufgabe lösen können. Die Zeit die es braucht um im Kopf einen neuen Weg einzuschlagen und sich vielleicht auch auf etwas Neues einzulassen. Zeit um kleine Schritte zu gehen und diese auch zu schätzen wissen.

 

Zeit ist oft relativ und ein sehr dehnbarer Begriff. Gerade für uns logisch, durchorganisierte Kopfmenschen ist das oft nur schwer nachvollziehbar. Wissen tun wir das natürlich schon aber wirklich die Geduld und das Verständnis dafür aufzubringen, fällt schwer.

Aber dennoch braucht es einfach die Zeit, die es braucht.

 

Da geht es den Pferden wie den Menschen.

Jedes Pferd gibt seinen Ausbildungsweg vor, dazu gehört auch die Dauer.

 

Cindy

 

 

 

 

16. Februar 2016

Freiarbeit mit zwei Pferden

 

Tja, die Freiarbeit mit zwei oder mehr Pferden hat so manchmal seine Tücken. Sie erinnert oft an einen Sack Flöhe oder an einen aufgeregten Kindergartenausflug. Man selbst ist leicht überfordert und muss entscheiden, um welches Problem, besser gesagt, um welchen Floh, man sich zuerst kümmert.

 

Hier mal eine ältere Geschichte von Apanatschi und Monty, für uns, ein bisschen ein Meilenstein.

Mit Apanatschi & Monty zusammen frei zu arbeiten war am Anfang nicht ganz so einfach. Beides gefestigte Persönlichkeiten, jeder seinen eigenen Kopf, jeder auf seine Art schon recht gut in der Freiarbeit.

 

Mit beiden Pferden zusammen zu üben bringt ganz neue Sichtweisen.

Apanatschi findet es generell doof wenn noch einer mitmacht, da die Aufmerksamkeit dann nicht nur auf der Prinzessin liegt und teilen kann sie in dem Punkt nicht so gut. Man macht dann einfach mehr Unsinn, dann ist die Aufmerksamkeit sicher.
Monty war nicht sehr selbstbewusst im Team aber doch eigentlich der Ranghöhere von Beiden. Er hat sich dann bei der Freiarbeit zu dritt trotzdem nicht so Recht getraut richtig mitzumachen.

 

Ein Beispiel:
Sind beide Pferde frei auf dem Zirkel getrabt und sollten zu mir kommen, ist Apanatschi immer angeschossen gekommen und Monty erst eine ganze Weile später. Er braucht immer noch eine zweite oder dritte Einladung. Übte ich alleine mit ihm, hörte er auf den Punkt. Ich konnte das nicht so Recht zuordnen. Ich übte und übte aber jedes Mal wieder derselbe Ablauf, Apanatschi zuerst, Monty weit danach, wenn überhaupt.

 

Erst ein Besuch bei meiner Trainerin brachte die Auflösung. Apanatschi hat während sie zu mir kam, Monty eindeutig motzend mitgeteilt, dass er gar nicht auf die Idee kommen braucht,
auch zu mir zu kommen. Ich gehöre nämlich nur ihr.

 

Dieser eine Wink mit dem Ohr oder ein kleines wackeln mit dem Kopf reichte, das Monty, der eigentlich Ranghöhere erstmal Abstand hält. Mir alleine ist das vor lauter auf beide Pferde schauen erstmal nicht aufgefallen. Nach dem Hinweis, konnte ich diese Mini-Kleinigkeit dann auch eindeutig erkennen. Monty hat bei der gemeinsamen Arbeit, seinen Ranghöheren Statuts kurzzeitig abgegeben, den Posten hab ich ja dann eingenommen. So hat er sich einfach nicht getraut sich gegen Apanatschis Meckern durchzusetzen.

 

Ich hab mir dann kurzfristig angewöhnt, sobald Apanatschi nach Monty schimpft sie nicht herkommen zu lassen sondern zuerst Monty einzuladen. War sie freundlich mit ihm, durfte sie auch sofort mitkommen. Diese kleine Änderung hat Monty mutiger und selbstbewusster gemacht und uns in der Freiarbeit zu dritt als Team, sehr viel weiter gebracht.

 

Kennt Ihr das auch?? Der Fehler liegt oft ganz woanders, als da wo wir ganz genau suchen.

Cindy

 

 

 

 

12. Februar 2016

Trainer, Bereiter oder Crash-Test-Dummy?

 

Immer wieder kommt das Thema auf den Tisch.
„Können Sie mal vorbeikommen und mein Pferd reiten, es buckelt manchmal ein bisschen und ich möchte gerne wissen ob es das bei jemand anders auch macht?“ – das sind noch fast die eindeutigsten Gespräche die man manchmal „zum Glück relativ selten“ führt.

Oder „mein Pferd geht keinen Schritt rückwärts, am Boden nicht und beim Reiten nicht“, dass man das liebe Pferd, das sonst alles für einen macht, nicht mal wirklich ohne größeren Tumult, mit angelegten Ohren und Anwandlungen einer Schnappschildkröte aus der Box holen kann, ist nicht so erwähnenswert :)

 

Manchmal erinnert es mich stark an einen lustigen Abend bei Martin Rütter. Charmant und mit viel Humor erzählt der Hundeprofi über die Kommunikation mit den verschiedensten Herrchen. Er wird wegen einem Problem kontaktiert und im Gespräch oder vor Ort entwickeln sich dann 150 weitere.
Völlig übertrieben, wird man manchmal meinen aber ich glaube, egal welchen Trainer man fragt,
es ist oft genauso.

 

Man ist als Trainer oder Bereiter nicht selten der Crash-Test Dummy. Oft erhält man, nicht mal aus böser Absicht, nicht alle Informationen, die für einen wichtig sind.


Ich glaube, man ist manchmal einfach ein bisschen Betriebsblind. Man geht fast jeden Tag mit seinem Pferd um und mutiert zum alten Ehepaar. Die kleinen oder evtl. größeren Macken und Eigenheiten nimmt man so hin, weil das ja schon immer so war und es einen auch nicht wirklich stört. Nur bei den richtigen Problemen wird dann Hilfe geholt. Das an dem einen Problem evtl. doch ein ganzer Rattenschwanz dranhängt wird einem dann erst klar, wenn detailliert nachgefragt oder erarbeitet wird.

 

Liebe Pferdebesitzer, wir meinen es bestimmt nicht böse wenn wir genau bis ins kleinste Detail nachfragen oder einzelne Sachen sehen wollen. Ihr kennt Euer Pferd am besten, ihr wisst genau, was, wann, wie, geht.

Wir müssen uns als Erstes auf Eure Informationen verlassen, bevor wir mit dem Pferd arbeiten und schauen was das Pferd uns erzählt.

 

Wir haben auch nur einmal Knochen und wenn die Geschichte böse ausgeht, man selbst im schlechten Fall im Rollstuhl sitzt, kann man keinen Pferd-Mensch-Paar mehr helfen. Darum spart nicht mit ehrlichen, aufrichtigen, detaillierten Informationen und macht uns Trainer nicht zum Crash-Test-Dummy.

 

Cindy

 

 

 

22. Januar 2016

Geduld

 

Was tut man, wenn man hinlegen übers wälzen beibringt aber das Pferd alles andere im Sinn hat??? Richtig!! Abwarten :)

 

Eri ist im Gegensatz zu unseren ganzen Pferden wälzen nicht so wichtig.

Für Apanatschi ist es wichtiger als vieles andere. Apanatschi das hinlegen beizubringen war sehr einfach, da mein Dreckspatz sich liebend gerne in alle selbstgebuddelten Matschlöcher legt oder in ein frisches Strohbett, Sand, Schnee usw. usw. usw, ich glaube alles aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.

 

Bei Eri ist das ganz anders. Auf dem Reitplatz mit frisch abgezogenen Sand, bleibt sie lieber bei mir. Auf der Wiese will sie mit den anderen spielen oder bei mir bleiben. Im Schnee will sie lieber .... ja genau, bei mir bleiben.

 

Jetzt war der Schnee doch zu verlockend und ich hab mich ganz still verhalten und mich nicht bewegt. Und siehe da es liegt.

 

Ich konnte mich ganz entspannt, quietschend lobend dazusetzen und meine Taschen leer füttern.

Eri fand das Spiel super und blieb ewig liegen. Auch der etwas aufdringliche Co-Trainer Ronny hat sie

nicht gestört.

Hab Geduld es wird sich auszahlen, hat sich wieder bewahrheitet.
Darin muss man sich wohl immer und immer wieder üben.

 

 

 

 

 

03. November 2015

Der 31.10.2015 ist vorbei – langsam kehrt wieder Ruhe ein.

 

Jetzt nach der Veranstaltung des VZAP in Alsfeld hab ich endlich Zeit um zu berichten.

 

Im August, haben wir Eri angeschaut, uns verliebt und dabei auch gleich Ihren wunderschönen Papa Gramet kennengelernt. Eri haben wir gekauft und zu uns in den Pferdestall „Drei Birken“ gebracht.

Im September haben Robert und Marta Kajewski angefragt ob Gramet zum Beritt zu uns kommen kann und ob wir Ihn Ende Oktober in Alsfeld zur Rittigkeitsprüfung vorstellen können.

 

Nachdem ich Gramet dort als höflichen, freundlichen und gut erzogenen Hengst kennenlernte
haben wir zugesagt es zu versuchen. Obwohl ich von Prüfungen dieser Art überhaupt keine Ahnung hatte.

 

7 Wochen…… eine eigentlich viel, viel zu kurze Zeit um ein fast noch rohes Pferd zu trainieren und für eine Prüfung fit zu machen und vorzubereiten.

Aber alle guten Ratschläge und alle Widersprüche usw. bringen nichts, wir machen es wie immer,
wir versuchen es einfach.

 

Gramet ist bei uns ohne großes Aufsehen eingezogen. Ich werde nicht müde diesen Goldjungen
für sein Verhalten und seinen Charakter zu loben. Wir haben ihn am Boden vorbereitet und dann
relativ zeitnah mit dem reiten angefangen. Gramet hat es uns allen sehr leicht gemacht ihn gern
zu haben und hat immer voller Freude und hochmotiviert mitgearbeitet.

 

Die ersten Bilder vom reiten mit Knoti und Fellsattel haben doch sehr hohe Wellen geschlagen.
Mich haben viele nette Nachrichten, Kommentare und E-mails erreicht. Leider auch einige negative.
„ein Hengst ist kein Kuscheltier!!, ein Hengst am Halfter ist lebensgefährlich!!, den auf der Koppel
sei untragbar, das ist doch ein Hengst!!, mit der Erziehungsmethode bilden Sie ein Problempferd geradezu aus!!“ um nur ein paar der Inhalte zu nennen.

 

Wir haben uns nicht beirren lassen und wurden mit einer Bindung und einer Partnerschaft belohnt, die wir so, in so kurzer Zeit nicht erwartet hätten. Gramet hatte so viel Spaß an der gemeinsamen Arbeit, dass wir unser Training oft vom Platz ins Gelände verlegten. Fremde Pferde unterwegs, furchterregende Holzstapel, komische Landmaschinen, einen lustigen Kaltblüter neben sich, zwei hüpfende, bellende Hunde um ihn herum, für Gramet alles kein Problem. Immer ansprechbar, immer zu regulieren und einfach zum Spaß haben.


Ein Araber wie er besser nicht sein kann – sprach das Herz.

 

Dann haben wir angefangen mit dem Anhänger in fremde Hallen und auf fremde Plätze zu fahren um
Ihn auf den Tag der Prüfung vorzubereiten. Auch hier war er zwar oft etwas aufgeregt aber immer
kopfmäßig dabei und nach ein paar Ausflügen gehörte das zum Alltag und er entspannte zusehends.

Vielen Dank an dieser Stelle an Andrea Stühler und Marleen Stühler und allen anderen, die nicht bei Facebook sind, bei denen wir zum üben einfallen durften, Ihr seid die Besten.

 

Trense, Transportgamaschen, Hufschuhe usw. waren in seinen Augen absolut unnötig und wer bitte
kann mit Transportgamaschen richtig laufen? Alles immer nur kurze Momente.
Gramet gehört eher zur skeptischen Sorte Pferd. Er lässt sich leicht überzeugen aber er braucht auch seine Zeit. Hat er Vertrauen gefasst, tut er für seinen Menschen alles. Und genau das durften wir in den sechs Wochen erfahren.

 

Wir fuhren zusammen zum Kurs zu Susanne Lohas aufs Seehöfle, holten uns letzte Tipps und übten noch einmal in fremder Umgebung und Schwupps war der 31.10. auch schon da.

 

Wir fuhren in entspannter Atmosphäre nach Alsfeld und freuten uns darauf Gramets Besitzer wiederzusehen. Wir hatten ein sehr herzliches Wiedersehen. Die Liebe um dieses Pferd verbindet
augenblicklich. Gramet war dort gelassen und ist mit Robert spazieren gelaufen um sich das ganze Treiben und die vielen Pferde anzuschauen.

 

Das warmreiten zuerst auf der Parkwiese war für ihn kein Problem. Ein bisschen mulmig wurde ihm dann doch in der Abreitehalle, zusammen mit 5 anderen Hengsten. Nach kurzen zögern, Augen drehen und Hintern einziehen, entspannte er sich zusehends. Schönes reiten und tolle Pferde in der Halle, leider gab es wie auf den meisten Turnieren auch einige unschöne Szenen. Hier war ich zum Teil wirklich fassungslos. Ich hoffe für die Pferde, dass sich die Reiterwelt noch mehr ändert und das Pferdewohl im Vordergrund steht.

 

Die Prüfungshalle, die Deko, die Tribüne voller Menschen und den Richtertisch fand Gramet sehr unheimlich. Wir durften kurz vor Beginn noch schnell die Halle erkunden, dann ging es auch schon los. War er vorher in der Prüfungshalle noch aufgeregt und scheute, war er ab Prüfungsbeginn wieder unser zuverlässiger AraBär. Ich hab mich über den Prüfungsverlauf, der für andere nicht perfekt, für uns jedoch super war, so gefreut, dass ich die Prüfung dann vergessen hab. Mit Schrecken bin ich am falschen Buchstaben stehen geblieben. Aber naja der Rittigkeit tut das aufgeregte Spatzenhirn des Reiters keinen Abbruch.

 

Wir verließen die Prüfung mit 6,11 !!! (mind 6,0 vom VZAP gefordert) damit also bestanden
Ziel erreicht!!!

 

Bei der Ehrenrunde mit viel Applaus, verließen Gramet kurzzeitig die Nerven, für mich verständlich.
Irgendwann darf man dann auch für einen Tag genug Aufregung haben.

 

Nach der Prüfung durfte er sich noch genüßlich wälzen und ein paar Umarmungen, Gesprächen, ein paar Leckerli trennten sich dann leider unsere Wege. Gramet ist jetzt wieder Zuhause in Bad Münstereifel und genießt ein paar Tage Urlaub, bevor er mit seinen Besitzern die Welt erkundet.
Ein toller Hengst, den ich jedem Züchter nur ans Herz legen kann. Ein würdiger Vertreter der Rasse.

 

Ich hänge sehr an all meinen Berittpferden und an manchen sogar mehr als einem selbst gut tut.
Aber ich glaube, genau das macht die Arbeit mit Ihnen so wertvoll, wenn man mit ganzem Herzen dabei ist.

 

Gramet, ich , Marta und Robert Kajewski und das ganze Team vom Pferdestall „Drei Birken“ freuen uns über das Ergebnis.


Vielleicht hätte man bei der Prüfung oder während der Ausbildung noch mehr herausholen können. Aber wie immer steht das Wohlbefinden, der Respekt vor dem Partner Pferd, die Freude und der Spaß am miteinander an oberster Stelle.

 

Cindy

 

 

 

 


Cindy Schwind - natürliches Pferdetraining  | natuerliches-pferdetraining@web.de